Klassenreise auf brasilianisch

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Seit einem knappen halben Jahr bin ich Klassenlehrer einer sehr netten sechsten Klasse. Eigentlich war ich noch gar nicht dran – aber einem Kollegen zum Dank, der kurz vor seiner Rückkehr nach Deutschland zu viel um die Ohren hatte und vor allem in dieser Zeit seine Ehefrau nicht allein in São Paulo lassen wollte, kam ich in den Genuss einer Klassenreise mit den 7. Klassen. In mein geliebtes Paraty! 🙂

Klassenreise auf brasilianisch. Das heißt, man muss sich als Lehrer quasi um nichts kümmern; alles wird bereits im Vorfeld von einer Reiseorganisation geregelt. Und auch der komplette Tagesablauf mit allen Unternehmungen, das Aufpassen nachts, einfach alles.

Mit zwei Reisebussen ging es an einem Montagmorgen Ende Mai frühmorgens los, sechs Stunden später landeten wir in einer gemütlichen Pousada, wo ich mein komfortables Einzelzimmer bezog. Zum Essen ging es in ein Restaurant und danach auf Stadterkundung.

Paraty besticht durch seine alten, gut erhaltenen Kolonialhäuser, die aus der Blütezeit der Stadt zurzeit der großen Goldfunde in Minas Gerais stammen. Das markante Kopfsteinpflaster „pé de moleque“ („Fuß des Straßenjungen“) wurde damals von Sklaven verlegt. Bei Flut werden Teile der Straßen mit Wasser überschwemmt, was in früheren Zeiten der Säuberung von Unrat diente.

Im Gegensatz zu meinem ersten Paraty-Aufenthalt (guckst du hier), hatten wir dieses Mal herrlichstes Wetter.

am Hafen

Nach einer ausführlichen Stadtführung durch einheimische Kräfte stärkten wir uns abends wieder im selben Lokal. Und dort war diesmal – und das sollte alle folgenden Abende so sein – eine Sängerin mit Pianist, die mit ihrer wunderbaren Stimme den Raum füllte. Die Schüler waren völlig losgelöst und sangen begeistert mit. Und spätestens als Adeles „Someone like you“ ertönte, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Alle strömten vor die kleine Bühne, rissen die Arme hoch, sangen und tanzen, Mädchen wie Jungen. Für mich einer der emotionalsten Momente der Reise. Glücklich, dabei zu sein.

Someone like yooouu… 😀

Am nächsten Tag ging es in etwa andertalbstündiger Fahrt nach Paraty Mirim…

…und von dort aus mit kleinen Booten in den Saco de Mamanguá, den einzigen Fjord Brasiliens.

Dort lagen schon Kanus bereit, um die Mangrovenwälder zu erkunden.

Nach einigen theoretischen Einführungen in die Kunst des Kanufahrens ging es dann los…

…zunächst erfuhren wir einiges über die Kunst der Mangroven, im Salzwasser zu überleben…

…dann hieß es aussteigen und zu Fuß einen Fluss durchwaten…

…bis wir in ein kleines Dorf der Caiçaras kamen, einem Mischvolk aus Indios und Portugiesen, das sich hier angesiedelt hat und überwiegend von der Herstellung von Körben und Kunsthandwerk lebt.

Nach einem zünftigen Mittagessen und nachdem wir alle etwas über Holzschnitzarbeiten erfahren und selbst ein Miniatur-Holzboot angemalt hatten, ging es dann zu Fuß an Moorlandschaften vorbei…

…zurück zu den Booten und dem Sonnenuntergang entgegen…

Der dritte Tag bot mit dem Besuch des einzigen Atomkraftwerks Brasiliens einen krassen Gegensatz.

Das Schlimmste war eigentlich, dass der Mitarbeiter, der uns führte, der Atomkraft so dermaßen unkritisch gegenüberstand und auch die Lagerung des Atommülls und die damit verbundenen Probleme absolut verniedlichte. Aber das wurde durch die ständigen bohrenden Nachfragen und kritischen Bemerkungen unserer brasilianischen Lehrerin Irêne mehr als relativiert…

Nach dem wirklich anstrengenden und langen Tag ging es noch einmal in Paratys Altstadt, wo die Kinder für ein Dokumationsheft, das jeder im Laufe der Tage vervollständigte, ein Tuschebild malen sollten. Aufgrund des vorangegangenen Regens und der allgemeinen Erschöpfung war ich davon nicht sonderlich begeistert. Doch dieser Punkt stellte sich entgegen meinen Erwartungen noch einmal als absolutes Highlight heraus. Völlig vertieft lagen oder saßen fünfundsiebzig Kinder auf dem halbdunklen Markplatz am Boden und malten…

…während rings herum die Gebäude in sanftem Licht erstrahlten…

…und aus einem benachbarten Festzelt „Nothing else matters“ erklangt…

Am letzten Tag ging es noch in eine alte Cachaça-Fabrik (wichtiges Kulturgut ;)), ein Stück wandern auf dem alten, über 3000 km langen Indio-Pfad, der Paraty mit Minas verbindet und im 19. Jh. zu Goldtransporten benutzt wurde, und letztendlich baden in einem Wasserfall.

Eine rundum gelungene, gefüllte, glückliche Klassenreise. Die in Erinnerung bleiben wird. Und das Schöne ist: Im nächsten Schuljahr geht es mit meiner dann 7. Klasse noch einmal dorthin!!! 🙂

 

 

 

 

Haus am See

Aus Bahia zurückgekehrt, kam mir meine casinha doch ein bisschen klein vor. Also setzte ich mich hin und suchte im Internet nach Wohnungs- und Hausanzeigen. Was ich fand, war dieses großartige Stück:

Teilweise mit antiken Möbeln ausgestattet, Kamin, großem Wintergarten, großem Garten, Blick auf einen See, bezahlbar. Also schnell die Infos an Thomas und Ingo weitergeleitet. Wir hatten vorher schon überlegt, ob wir nicht zusammenziehen wollen, und beide waren sehr interessiert. Bei der Besichtigung stellte sich heraus, dass die Vermieterin deutschstämmig ist und ein Kind am Colegio Humboldt hat. Wieder mal Glück! Und Sympathie auf beiden Seiten. Wir waren uns einig. Ingo musste nur mit seinem Vermieter den Auszug klären und Thomas wollte noch eine Probefahrt machen, da er ja in den enfernteren Stadtteil Morumbi zur Arbeit würde fahren müssen.

hier mal ein Blick von innen 🙂

Dann kam der bittere Moment. Thomas brauchte mehr als eine Stunde, das war nicht zumutbar. Also war die Sache gestorben. 🙁 Es kostete mich viel Überwindung, Gisela, die Vermieterin, zu informieren…

Am nächsten Tag meldete sich die Maklerin. Da gebe es noch ein Haus, was der Mutter gehöre und auf demselben Grundstück stehe wie deren eigenes. Es sei aber ein bisschen heruntergekommen… Also wieder mit Gisela telefoniert und diesmal nur mit Ingo zur Besichtigung. Was sich uns dann zeigte, sah so aus:

Eingangsbereich

Wohnzimmer

Küche

Das Haus stand vier Jahre mehr oder minder leer, war komplett renovierungsbedürftig, zudem waren Küche und Bäder mit, naja, hübschen Kacheln gefliest. Alle Einbauschränke rochen muffelig bis moderig. Der schöne Dielenboden im Wohnzimmer war teilweise verrottet. Uns war klar: Die ist kein Haus, sondern ein Projekt! Aber in einmaliger Lage, mit einem RIIIEESEN-Garten und mit fantastischem Blick über den großen Stausee. Als Silhouette, ganz hinten am Horizont, die Hochhäuser São Paulos…

Blick von der Terrasse 🙂

Wir holten uns Kostenvoranschläge für die Renovierung. Und dann kam das entscheidende Gespräch mit Gisela und deren fast achtzigjähriger (aber topfitter!) Mutter Hilde. Wir saßen also eines Sonntagmorgens um elf bei Hilde am Gartentisch, tranken das erste gemeinsame Bier und sollten nennen, was wir zu zahlen bereit wären. Die Spanne setzte ich relativ niedrig an, denn es kommen hier immernoch recht hohe Grundsteuern dazu. Und die beiden nahmen den untersten Wert der Spanne und waren damit einverstanden!! Die Renovierung würde zudem zwar von mir vorverauslagt, aber mit den Mietkosten verrechnet werden!!! Da gab es nicht mehr viel nachzudenken!!! 🙂

Ab März begann die große Umbauphase.

Renovierung

Der Fußboden im Wohnzimmer musste kompett herausgerissen werden und wurde durch Fliesen ersetzt. Alle Wandfliesen von Bädern und Küche wurden weiß überlackiert und natürlich alle Wände und Decken innen und außen gestrichen, Fensterrahmen lackiert etc., etc.

Wie es der Zufall so will ;), zog unser Schulleiter Ende März mit seiner Famile nach Deutschland zurück, und ich konnte so gut wie alle Möbel übernehmen. Eigentlich wollten wir zu diesem Zeitpunkt schon einziehen, aber der Fußboden im Wohnzimmer war (neben vielem anderem) noch nicht fertig. So mussten wir alle Möbel in Ingos zum Glück nur 200 m entfernte Garage tragen und dort zwischenlagern. Auch Ingo brachte noch einige Möbel mit ein und vor allen Dingen Elektrogeräte, sodass wir von Anfang an mit allem ausgestattet waren!

Und dann war es endlich soweit: am 5. April war Einzugstag!! Jetzt sieht unser Häuschen so aus:

Kamin

Essbereich

mein großer Traum: ein Flügel

Küche

Und nun geht es nach draußen…

mein Lieblingsplatz 🙂

Im Garten gibt es kleine Äffchen, die mittlerweile schon ganz zahm geworden sind und wild sind auf Bananen (Apfelstreuselkuchen schmeckt ihnen aber auch :)).

🙂

Einen Pool gibt es auch…

…und ein Grillplatz darf natürlich nicht fehlen… 🙂

Zur Einweihung feierten wir eine riesige Party mit über 100 Gästen. Alle brachten Salate oder Nachtisch mit, es wurde gegrillt, gegessen, getrunken und später getanzt. Wir saßen bei Fackelschein unter den schönen Bäumen unseres Gartens…

Unser zukünftiger Schulleiter war auch mit dabei, er hatte in den Tagen gerade sein Vorstellungsgespräch, feierte kräftig mit – und wird nun das nur fünf Fußminuten entfernte Haus mieten, das wir uns als erstes angeschaut hatten. 🙂

Sonnenuntergang im Garten ♥

 

PS: Wir haben ein Gästezimmer! 😀

 

 

 

 

Zelten in Bertioga

An einem sonnigen Märzsamstag ging es frühmorgens los in Richtung Küste. Schon zwei Stunden später waren wir (Ingo, Julia aus Ingos WG und ich) in Bertioga angekommen, setzten wegen des vielen Gepäcks mit einem Motorboot zu unserer geliebten Prainha Branca über und ließen uns am Strand vor unserem Campingplatz absetzen. Schnell waren die Zelte aufgestellt…

…und dann konnten wir den fast menschenleeren Strand genießen!

Gegen Nachmittag trübte es sich ein, daher war am Abend in dem kleinen Örtchen mit ein paar Lokalen und Strandbars nicht mehr viel los.

Am nächsten Morgen aber schien die Sonne, und wir hatten wieder praktisch den ganzen Strand für uns!

Ein manchmal wirklich nötiger Kontrast zur 20-Millionen-Stadt!

 

 

 

 

Feuer beim Karneval

Anders als z. B. in Salvador da Bahia mit seinem größten Straßenkarneval der Welt oder Recife mit seinen Trios Elétricos, großen Umzugswagen, von denen unablässlich Musik erklingt und die von einer riesigen Menschenmenge gefolgt durch die Straßen ziehen, verläuft die fünfte Jahreszeit in São Paulo  eher unspektakulär. Abgesehen von den gigantischen Karnevalsumzügen im Sambódromo, die nur gegen ordentliches Entgelt zu bestaunen sind, spielt sich auf den Straßen der Riesenmetropole bis auf einige Straßenfeste so gut wie gar nichts ab.

Da ich dem kommerzialisierten Defilieren nicht so viel abgewinnen kann, waren Thomas und ich nur am letzten Karnevalstag zur Bekanntgabe der Punkte im Sambódromo. Allerdings auch nur deswegen, da ich hörte, dass der diesjährige Gewinner noch einmal laufen würde. Eine Fehlinformation, wie sich recht schnell herausstellte. Eine überschaubare Menschenmenge wartete auf die Verkündungen der Punktrichter. Wir blieben aber doch, da Thomas mit einer Gruppe, Mocidade Alegre, in voller Kostümierung mitgelaufen und -getanzt und nun neugierig auf deren Abschneiden war.

Fans der einzelnen Karnevalsgruppen

Die Punktevergabe erfolgte in neun verschiedenen Bewertungskategorien, zu denen unter anderem fantasia (Kostüme), enredo (Parade-Thema) und bateria (Perkussion) gehören. Und das für 14 Gruppen, was einen gewissen Zeitaufwand bedeutete. Gegen Ende der Zeremonie kam es zunächst zu Unruhen, weil eine Gruppe sich ungerecht bewertet fühlte – dann sprang plötzlich ein Mann über die Brüstung, lief ungehindert auf den der Jury vorsitzenden Oberbürgermeister von São Paulo zu (auf dem Bild in der Mitte), schnappte sich die Zettel mit den Bewertungen, zerriss und verstreute sie und verschwand wieder in der Menge.

Jury bei der Punkte-Bekanntgabe

Das löste einen Massentumult aus. Die eh schon aufgebrachten Zuschauer waren nun total enthemmt und stürmten über Zäune und Absperrungen. Für Thomas und mich der Zeitpunkt, das Geschehen zu verlassen. Keine Minute zu früh, denn draußen fuhren schon Mannschaftswagen mit schwer bewaffneten Polizeikräften vor und die Straße wurde abgeriegelt.

Wir mussten also einen weiten Umweg außen herum laufen. Als wir uns der Rückseite des Sambódromos näherten, sahen wir schon von weitem eine dunkle Rauchsäule aufsteigen. Alle Motivwagen waren an einem Platz am Rande des Geländes geparkt. In einen von ihnen hat ein Fanatiker einen Molotow-Cocktail geworfen, und das Werk von Wochen und Monaten hingebungsvoller Arbeit wurde in wenigen Minuten zu Schutt und Asche.

Ein Motivwagen brennt (alle Fotos hier: Thomas)

Die Zeremonie musste abgebrochen werden und der diesjährige Gewinner, Thomas‘ Gruppe Mocidade Alegre, konnte erst Stunden später offiziell bekannt gegeben werden.

Kein schönes Kapitel in São Paulos Samba-Geschichte.

 

 

 

 

Bahia – Sonne im Herzen

Sonnenaufgang in Itacaré

Eine wunderschöne Reise geht zuende – das war mein Gedanke, als ich am Tag vor dem Rückflug auf der Fähre von Itaparica nach Salvador saß und der Silhouette der Bundeshauptstadt näherkam. Und ich fragte mich, was ich aus meinem Koffer wohl retten würde, wenn das Schiff in diesem Augenblick unterginge. (Es ist ja immer gut einen Notfallplan zu haben, für den Fall der Fälle… ;)) Die Antwort war schnell gefunden: die SD-Karte aus meiner Kamera mit den über eintausend Aufnahmen! In ein Stück Plastiktüte eingewickelt unter die Zunge gesteckt den einen Kilometer an Land schwimmen. Das wäre zu schaffen. Alles andere ist ersetzbar. Nur diese Erinnerungen nicht.

Nun, die Fähre ging nicht unter – doch gehe ich lieber zum Anfang der Geschichte und lasse dabei die köstliche, von Janaína gemachte Paella, die es am 1. Weihnachtsfeiertag gab, nicht unerwähnt… 🙂

Nicht ganz so nach meinem Geschmack waren allerdings die Wetteraussichten. Es hatte eh schon seit Wochen fast ununterbrochen geregnet, und sowohl für São Paulo als auch für mein ursprüngliches Reiseziel Santa Catarina, den nächsten Bundesstaat in Richtung Süden, waren auch die weiteren Prognosen besch… äh, katastrophal (in etwa vergleichbar mit dem Hamburger Sommer 2011… ;)). Also hieß es schnell die Pläne ändern. In den Norden hinauf bis über Rio hinaus nur Wolkenfelder. So musste es Bahia sein! Das Bundesland mit Sonnengarantie und dem größten Anteil (75%) schwarzer Bevölkerung. Stolze, liebenswürdige, anmutige, aufrechte Menschen. Doch das wusste ich bis dahin noch nicht. Ich wusste nur: raus aus Nass und Wolkengrau!! Einen Tag später war der Flug gebucht!

Salvador

Schon am 29.12. saß ich im Flieger und kam gegen Mittag in Bahias Hauptstadt an. 30° C. Sonne. Hotel direkt am Meer. Baden. Dann die erste Fahrt mit dem Bus ins historische Zentrum, Pelourinho. Dort in Pelourinho, zu deutsch Pranger, lag der Teil des Sklavenmarktes, an dem Sklaven zur Strafe oder zur Machtdemonstration ausgepeitscht wurden. Der größte Teil der über fünf Millionen (!) Schwarzafrikaner, die in der Kolonialzeit verschleppt wurden, landeten in Salvador auf eben diesem Platz. Pelourinho war aber auch über Jahrhunderte Aristokratenviertel, in dem viele barocke Gebäude und sehr viele Kirchen entstanden. Heute gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am Abend wollte ich an der Straße nur nach einer günstigen lanchonete fragen und traf dabei auf eine Frau, die mir bei der Gelegenheit erzählte, dass sie privat ein Zimmer zu vermieten hätte. Nicht nur, dass wir es gleich anschauten, ich bekam dazu auch noch eine warme Suppe. 🙂 Und zog am nächsten Morgen von dem etwas unwirtlichen Hotelzimmer in die weitaus luxuriöseren Gemächer meiner neuen brasilianischen Familie.

Gisele und Igor

Ab jetzt hatte ich zwei Bodyguards, und so fühlte ich mich beim zweiten Gang nach Pelourinho noch sicherer. 🙂

Alberto und Márcio

Natürlich durfte eine Fahrt mit dem berühmten Elevador Lacerda, dem Fahrstuhl, der Ober- und Unterstadt miteinander verbindet, nicht fehlen.

Wir kamen vom unteren Hafenbereich und fuhren in die Oberstadt…

Igreja da Nossa Senhora do Rosário dos Pretos

Dort trafen wir unter anderem auf die Igreja dos Pretos, die zwischen 1704 und 1781 von Sklaven und Freigelassenen in Nachtarbeit erbaut wurde und den einzige Ort bildete, an dem diese ihren heimischen religiösen Traditionen (Candomblé) nachgehen konnten.

Fast den ganzen Nachmittag saßen wir am Largo do Terreiro de Jesús…

…und sahen den Capoeira-Tänzern zu. (Bitte etwas Geduld beim Laden…)

Zwischendurch kam noch ein Karnevals-Zug vorbei…

…und dann senkte sich langsam die Nacht herab…

Insgesamt verlebte ich sehr schöne Tage bei der Familie. Der einzige große Wermutstropfen war, dass mein geplanter Besuch der Silvesterfeier im Szeneviertel Barra mit Livemusik, Riesenfeuerwerk und einer halben Million Besuchern erst mit deutlicher Verspätung zustande kam. Ich verließ mich zu sehr auf Márcio und einen seiner Freunde. Diese hatten aber offenbar ganz andere Pläne, und, ohne mich darüber zu informieren, landeten wir bei einer total langweiligen Feier, sodass ich absolut gallig wurde und in dieser Stimmung ins neue Jahr ging. Die Laune besserte sich erst, als ich weit nach Mitternacht in Barra eintraf, dort durch die Menge schlenderte und noch so viel erlebte, dass ich vor Morgengrauen nicht nach Hause kam. Márcio hatte ein schlechtes Gewissen und servierte mir später ein opulentes Frühstück in der Hängematte…

Am Neujahrsnachmittag ging ich noch zur Aufführung der berühmten Trommelgruppe Olodum, die unter anderem in Michael Jacksons in Pelourinho gedrehtem Musikvideo „They don’t care about us“ zu sehen und zu hören ist.

Am nächsten Tag dann war schon der recht traurige Abschied. Mein zweites Reiseziel wartete, die vor Salvador liegende Insel Itaparica.

Abschieds-Familienfoto

Itaparica

Mit der Fähre in einer guten halben Stunde von Salvador aus zu erreichen ist die Insel Ferienziel für viele Südbrasilianer. Meine dortige Pousada verdiente zu Recht den Namenszusatz „Tropical“, denn sie lag mitten im Regenwald. Der Besitzer, ein Franzose, war in jungen Jahren nach einem ‚Sabbatjahr‘, das in Frankreich jedem Arbeitnehmer zusteht (nicht nur Lehrern…) in Brasilien hängengeblieben und erwarb für umgerechnet 100 Dollar ein Stück Land, von dem er noch nicht einmal wusste, wo es genau lag. Er fand es auf Itaparica, lebte dort erst einige Zeit, baute es dann nach und nach zu einer Pousada aus, kaufte noch Land dazu, kann mittlerweile gut 15 Gäste beherbergen und wird wegen seiner urigen Lage von den gängigen Südamerika-Reiseführern empfohlen.

Wohnen im Urwald...

Von der Insel selbst war ich jedoch etwas enttäuscht, da die Strände nicht sonderlich attraktiv waren und das Wasser flach, zu warm und ohne Wellen.

Zudem saßen im nächsten erreichbaren Örtchen die Brasilianer Bier trinkend auf Plastikstühlen an den Straßen, während laute Musik aus geöffneten Kofferraumklappen dröhnte…

Trotzdem genoss ich nach dem Trubel in Salvador die Ruhe und Abgeschiedenheit der Pousada, machte lange Strandspaziergänge und entdeckte an der anderen Inselspitze das sehr gepflegte, gediegene und mit historischen Gebäuden gut erhaltene Örtchen Itaparica, völlig konträr zu meinen ersten Eindrücken.

Drei Tage genügten, um die Insel zu erkunden. Ein bisschen mehr Action konnte ich schon vertragen, und so machte ich mich mit dem Bus auf den Weg an die Kakaoküste, in das 250 km südlich gelegene Itacaré. Es gab noch viel zu erleben.

Itacaré – Casa do Miguel

Das zauberhafte Itacaré und das Haus von Miguel – für mich untrennbar miteinander verbunden. Wäre ich in einer der Pousadas im Inneren des kleinen ehemaligen Fischerörtchens mit rund achtzehntausend Einwohnern gelandet, an der Touristenmeile, die fast nur aus Restaurants, Bars, Surfschulen und Unterkünften besteht (aber trotzdem noch nett und überschaubar ist), wäre ich sicher nicht so lange geblieben. Miguels Haus aber liegt in Portodetrás, am hinteren Hafen, und damit in einem der ältesten und ursprünglichsten Bereiche der Stadt.

Dass ich überhaupt noch Platz in der eigentlich komplett ausgebuchten Surfmetropole fand, hatte ich dem Umstand zu verdanken, dass am letzten geplanten Tag auf Itaparica in der Urwaldpousada das Internet ausfiel. So verband ich meinen Besuch des gleichnamigen Inselörtchens mit einem Gang ins dortige Internetcafé. Und offenbar zeigte mir das brasilianische Google andere Ergebnisse an als mein deutsches; Miguels Zimmer zu für die Hochsaison ungewöhnlich günstigen Konditionen würde gerade am nächsten Tag frei werden! Watt’n Glück! Ich also heimgekehrt, angerufen, auf Portugiesisch die Reservierung klargemacht. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass Miguel eigentlich Schweizer ist, und wir konnten die Unterhaltung auf Deutsch fortführen. Da war die Freude natürlich umso größer!

Casa do Miguel

Blick von meinem Balkon

Miguel mit Max

Miguel, erst 32, kam vor einigen Jahren nach Brasilien, arbeitete eine Zeitlang als Surflehrer, hat dann mit seiner einheimischen Frau das Haus gebaut und lebt jetzt von der Vermietung zweier schöner Zimmer und von gelegentlichen Malerarbeiten.

Nachdem nach meiner Ankunft die ersten Begrüßungsbiere getrunken waren, machte ich mich auf den Weg nach Pituba, dem Zentrum Itacarés, eine knappe Viertelstunde zu Fuß entfernt. Dort fand zur besagten Zeit das „Festival do Verão“ statt, und an jenem Tag sollte es ein Reggaekonzert mit einer berühmten Gruppe aus São Paulo geben. Schon beim Warten vor dem Eingang der Konzerthalle waren nicht nur die vielen Typen im Rasta-Look, sondern auch der süßlich-schwere Duft, der über allem hing, bemerkenswert. 😉 Das Konzert selbst war ziemlich gut, doch der schnellere Samba-Rhythmus liegt mir persönlich mehr.

Den nächsten Tag nutzte ich dazu, die schönen Buchten Itacarés kennenzulernen, die, etwas untypisch für den nördlichen Teil Brasiliens, eher klein sind und durch Felsabschnitte voneinander getrennt.

Praia da Concha

Praia do Resende

Praia da Tiririca

Praia da Costa

Praia da Ribeira

Welche ist nun eigentlich die schönste? 🙂

Am späten Nachmittag saß ich dann noch mit Miguel in Portodetrás in der Hafenbar von „Bob Marley“, wo sich die Fischer treffen, um Bier zu trinken und Domino zu spielen.

Bobs Hafenpinte

Schnell kamen wir mit den Fischern, mit denen Miguel gut befreundet ist, ins Gespräch und sie luden mich ein, am nächsten Morgen um fünf mit ihnen in ihren Holzbooten herauszufahren und fischen zu gehen. Ich war begeistert!

Und auch an diesem Abend gab es wieder eine kleine Attraktion, die „Festa do Bicho“. Zu Anfang versammelten sich die Bewohner von Portodetrás auf der Straße und begannen zum Rhythmus von Trommeln zu tanzen.

Dann öffnete sich plötzlich die Runde und ein Teufel sowie zwei Untiere kamen zum Vorschein, die sich umkreisten und bekämpften.

Nach einiger Zeit setzte sich der Zug in Richtung Pituba in Bewegung.

Alle paar Minuten wurde gestoppt und der Tanz der Unwesen setzte sich fort, bis, nach rund einer Stunde wieder in Portodetrás angekommen, sie sich letztendlich gegenseitig auslöschten, unter Jubel und Beifall der umstehenden Menge.

Am nächsten Morgen stellte ich mir den Wecker auf halb fünf, duschte und rasierte mich und war um kurz vor fünf gespannt und bereit zum Aufbruch. Wartete auf das Klopfen an meiner Zimmertür. Ging zum Hafen, um nachzuschauen, ob dort schon jemand wäre. Wieder ins Zimmer zurück. Wieder auf die Straße zum Hafen. –

Gegen halb sechs entstand dann dieses Verzweiflungsbild…

einsame Straße am Morgen...

… und ich legte mich wieder schlafen…

Miguel lachte sich kaputt, als er die Geschichte hörte: noch früher aufstehen, duschen und rasieren, wenn man zum Fischen fährt – typisch deutsch eben… Später stellte sich heraus, dass die Männer am Abend zuvor so viel Bier getrunken hatten, dass sie nicht mehr loskamen… 😉

Den zweiten Tag nutzte ich, um eine etwas abgelegenere Bucht, Prainha, kennenzulernen, die zu den zehn schönsten Buchten Brasiliens gekürt wurde. Schon der ab Praia da Ribeira noch vierzigminütige Fußweg dorthin ließ sich sehen. Zunächst jedoch nicht…

Weg?

Sich von einem Guide dort hinführen lassen – tzzz… 😉

Natürlich musste engelchen auch noch ein bisschen auf der stillgelegten Hängebrücke rumturnen, die zu einem früheren Waldpfad gehörte…

Nach längerer Zeit der Wanderung führte der letztendlich gefundene Weg an die Küste und die Sicht wurde frei…

Und schließlich war auch die schöne Bucht erreicht – Melone und Agua de Coco löschten den Durst…

Prainha

Nach ausgiebigem (Sonnen-)Baden musste nur die ganze Strecke wieder zurückgegangen werden… In Pituba dann entstand dieses Foto…

Hippies in Itacaré

…das auch seine eigene Geschichte hat. Als ich an den Straßenhändlern vorbeiging, dachte ich, ich müsse doch mal zeigen, wie viele Hippies es in dieser kleinen Stadt gibt. Also kehrte ich um fragte sie höflicherweise, ob ich ein Foto machen dürfe. Erst war der Preis ein Real, dann ein Bier, dann ein Wein, alles aber immer in scherzhaftem Ton, von beiden Seiten. Schließlich zog ich mit dem bärtigen Alten los, und als es kein kaltes Bier im Laden gab, kauften wir billigen Wein, Brötchen, Käse. Die Freude war groß und es wurde zusammen geschmaust. Mit einem Freundschaftsband aus Leder und einem kleinen Fotohalter aus Draht mit meinem geformtem Namen ging ich erfüllten Herzens nach Hause. Wieder eine besondere Begegnung.

"Es war als hätt' der Himmel die Erde still geküsst..."

Itacaré ♥

Für den Sonntagmorgen hatten die Fischer das Säubern des Zugangs zum hinteren Hafen geplant, und ich versprach mitzumachen. Danach sollte es Feijoada für alle in Bobs Pinte geben.

Portodetrás (bei Ebbe)

Wie in Brasilien üblich lag auch hier viel Müll herum, der sich langsam mit von der Zugangstreppe geschaufeltem Sand und Unkraut vermengte. Für mich völlig inakzeptabel. Genauso wie der Vorschlag, das Ganze später zu verbrennen. Nach einigem Hin und Her schritt ich zur Tat und ging zum nächsten Laden, um Müllsäcke zu organisieren. Auf dem Weg fiel mir eine Aktion ein, die ich schon mal für den kleinen, aber leider auch ziemlich vermüllten Strand, der „Praia do Sol“ an unserem nahegelegenen Stausee in Interlagos, São Paulo, geplant hatte.

Auf dem Rückweg verkündigte ich den umstehenden Kindern, dass ich für jeden gesammelten 100-l-Sack Müll einen Real auslobe (ca. 45 Cent). Und plötzlich waren überall kleine eifrige Helfer zugange, die den Hafenbereich, die Grünfläche und auch die Straßen von achtlos weggeworfenem Unrat säuberten.

Ich konnte gar nicht so schnell Säcke nachkaufen, wie die Kinder sammelten. Zum Glück bekam ich beim zweiten Einkauf auch noch Scheine in Kleingeld getauscht. Insgesamt waren bei der Aktion 14 Kinder beteiligt. 45 Müllsäcke wurden gefüllt.

...ein Haufen Müll...

Da schmeckte die Feijoada gleich doppelt gut!

Dem etwas lauteren Gespräch meiner französischen Nachbarn bei ihrer frühmorgendlichen Abreise ist es zu verdanken, dass noch Bilder vom Sonnenaufgang an der Praia do Resende entstanden. Denn so ganz freiwillig hätte ich mich um halb sechs nicht mehr unbedingt auf den Weg gemacht…

Schon rückte der vorerst letzte Tag an, für den ich mir noch etwas besonderes vorgenommen hatte: eine Rafting-Tour auf dem nahegelegenen Rio de Contas!

Morgens ging es eine gute halbe Stunde mit dem Auto durch tropischen Regenwald und Kokosplantagen, bis wir an den Fluss gelangten.

Rio de Contas

Sieht doch eigentlich ganz harmlos aus… 😉

Gut ausgerüstet mit Helm und Schwimmweste ging es dann an den Start…

...noch kann man lachen...

…doch erst einmal mussten die nicht ganz federleichten Boote zu Wasser gelassen werden…

Nach einer Einführung in die nötigen Techniken ging es dann los zur ersten Stromschnelle…

Anpaddeln...

...und dann rein...

...ins...

...Vergnügen...

...und gleich...

...nochmal...

...usw...

...usf...

ganamos!! 🙂

Ein wirklich schöner Reiseabschnitt geht zuende. Doch ich komme wieder, Itacaré, bald. Jetzt aber wartet das nächste große Abenteuer auf mich: die Chapada Diamantina im Herzen Bahias.

Chapada Diamantina

Bereits die Planung der Anfahrt zum ehemaligen großen Diamantensuchergebiet und heutigem Nationalpark mit Canyons, Wasserfällen, Grotten und Höhlen in einer bezaubernden Landschaft stellte eine Herausforderung dar. Der Bus von Salvador nach Lençois, einem kleinen Kolonialstädtchen am Rande der Chapada, galt als häufig ausgebucht. Online ließen sich zwar Tickets kaufen, aber nur mit einer einzigen Kreditkarte – nicht mit meiner. Auch Anrufe beim Busunternehmen halfen nichts. Schließlich war NasAlturas, die Agentur, mit der ich die siebentägige Tour durch die Chapada starten würde, so freundlich und ließ das Ticket für mich am Busschalter hinterlegen. Puh.

Dass ich überhaupt, bei meinen nur zwei Tagen Vorbereitungszeit für die spontane Reise in die Sonne, in der Chapada landete, verdanke ich den wunderbaren Fotos auf der Website und der schnellen und unkomplizierten Unterstützung des deutschen Fotografen Karsten Rau (einen Link zu seinen Bildern gibt es am Ende des Artikels), der mir nicht nur dazu riet, eine längere Tour zu machen, sondern auch eine Agentur empfahl und einige Punkte, die ich auf keinen Fall auslassen sollte. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, Karsten!

Nun saß ich also wieder im Bus zurück nach Itaparica, von dort aus musste ich die Fähre nach Salvador nehmen, dann zum Busbahnhof und dort meine Reise nach Lençois fortsetzen.

Es fing damit an, dass der Bus erst mit Verspätung aus Itacaré losfuhr. So kam ich eine halbe Stunde später als geplant auf Itaparica an und die Fähre war gerade weg. Na gut, mit der nächsten, eine Stunde später, würde es auch noch gehen. Diese startete jedoch mit deutlicher Verspätung, wartete nach dem Ablegen noch auf das Passieren der entgegenkommenden Fähre und kam kolossale 30 Minuten später in Salvador an als geplant. Inzwischen war es 16.15 Uhr geworden. Mein Bus fuhr um 16.30 Uhr. Ich flog also sozusagen, meinen Rollkoffer hinter mir herziehend, die Rampe vom Schiff hinunter und musste dabei doch breit grinsen, da ich wusste, welch für Brasilien ungewöhnliches Bild ich abgab. 🙂 Ins Taxi gesprungen und zum Busbahnhof. Natürlich war jetzt schon Berufsverkehr. Der Fahrer gab alles und um zehn nach halb war ich am Terminal. Jetzt nur noch den Schalter des Busunternehmens finden. Er lag im ersten Stock. Völlig abgehetzt erfuhr ich dort, dass der Bus schon weg war. Es würde aber zum Glück noch einer in der Nacht fahren und ich konnte das Ticket tauschen.

Schicksalsergeben gab ich meine Koffer auf, aß eine Portion Acarajé und schlenderte zum nahe gelegenen Einkaufszentrum. Im obersten Stockwerk entdeckte ich ein Kino, dort gab es Mission Impossible 4. Aber zunächst musste NasAlturas informiert werden, denn sie würden mich in Lençois vom Bus abholen. Also wieder nach unten und raus, um in Ruhe zu telefonieren. Als ich dann in einer der recht langen Schlangen am Kinoschalter stand (es war gerade Kinotag), war auf der Anzeigetafel bald zu erkennen, dass die gleich beginnende Vorstellung bereits ausgebucht war. Es gab aber eine etwas spätere, die auch noch gerade passen würde. Ich wechselte schnell die Schlange, weil es bei meiner nicht mehr weiterging. Doch das stellte sich als Fehler heraus, denn jetzt stockte es in der neuen. Als noch etwa fünf Leute vor mir waren, war auch die zweite Vorstellung ausgebucht!

So viel Pech an einem Tag, das kann doch wohl nicht wahr sein! Schon morgens hatte mein Handy „Freitag, der 13.“ angezeigt, obwohl es erst Mittwoch, der 11. war; ich malte mir aus, was wohl an diesem Tag noch passieren würde… kehrte ins Busterminal zurück und setzte mich ins Internetcafé.

Dort stellte ich fest, dass ein Freund mich schon mehrfach versucht hatte über Skype zu erreichen. Wir telefonierten eine Stunde lang. Ich erfuhr, dass er sich in einer extrem schwierigen Situation befand und konnte ihm hoffentlich ein bisschen mit Rat und Beistand zur Seite stehen.

Als ich schließlich erschöpft im Bus nach Lençois saß, wurde mir langsam bewusst, wie deutlich Gottes Hand an diesem Tag spürbar war. Wäre auch nur ein einziges, ein einziges der vielen kleinen Missgeschicke nicht passiert – das Telefonat hätte nie stattgefunden. Alles für dies eine Gespräch.

1. Tag: Lençois und Umgebung

Lençois – ein malerisches Kolonialstädtchen mit kleinen, kopfsteingepflasterten Gässchen und viel Charme.

Marktplatz

Gässchen zur Pousada

Meine etwas abgelegene Pousada stellte sich als echter Glücksgriff heraus. Nicht nur schlief ich die Nächte dort, trotz Mehrbettzimmer, so gut wie auf der ganzen Reise noch nicht, es gab auch noch das allerbeste Frühstück. 🙂

Pousada dos Duendes

Am Nachmittag startete die erste Wanderung, angenehm nur zu zweit mit Guide. Sie führte uns aus Lençois heraus zunächst in ein Steinlabyrinth…

Salão das Areias Coloridas

…dann ging es über einen kleinen Pfad zum Poço Halley…

…und nach Überquerung des Rio Serraneo…

…eine Klettertour hinauf zu einem kleinen Wasserfall…

Cachoeira Primavera

…der zu einem erfrischenden Duschbad einlud. 🙂

Den „Gipfel“ der Tour bildete das Erklimmen des „Mirante de Lençois“, von dem aus wir einen schönen Blick auf die kleine Stadt genießen konnten.

Blick auf Lençois

Wieder zurückgekehrt, hatten sich die kleinen Gässchen mit Leben gefüllt, überall waren Tische und Stühle aufgebaut, an denen gegessen, getrunken und gefeiert wurde. 🙂

 

2. Tag: Gruta da Pratinha, Gruta Azul, Gruta da Lapa Doce, Morro do Pai Inácio

Bei wolkenverhangenem Himmel und einsetzendem Nieselregen ging es mit dem Geländewagen eine gute Stunde über Landstraßen und dann noch eine halbe Stunde Offroad. Ziel war die Gruta da Pratinha mit ihrem türkisblauem Wasser.

Hier wurden wir mit Flossen, Taucherbrille, Schnorchel und einer kleinen Taschenlampe ausgestattet und begaben uns schwimmend ca. 100 m in die nachtschwarze Höhle hinein – mit einem ortskundigen Führer. Mitten in der Grotte knipsten wir die Lampen aus. In absoluter Dunkelheit hörte man nur das leichte Glucksen des Wassers an den Felswänden. Beeindruckend.

Nach einer kleinen Ruhepause am benachbarten See ging es schon zu Fuß weiter zur nächsten Attraktion, der Gruta Azul.

Eingang zur Blauen Grotte

Hier hatte das Wasser ein noch intensiveres Blau…

Blick aus der Grotte

Mit dem Jeep ging es dann ein Stück weiter über Sandwege bis zum Eingangsgebiet der Gruta de Lapa Doce, wo wir zu Mittag aßen. Wiederum unter Begleitung einer ortskundigen Führerin betraten wir nun das weitläufige Gelände und stiegen ein bizarres Steinmassiv hinunter…

…bis wir zum beeindruckenden Eingangsbereich der Gruta de Lapa Doce kamen…

…wie groß die Höhle ist, sieht man nur an den kleinen Ameisen-Menschen…

Wieder ausgestattet mit Taschenlampen, ging es nun hinein in die absolute Dunkelheit unter den Felsmassiven. Stalagmiten und Stalaktiten wachsen hier in Ruhe seit Millionen von Jahren…

…1 mm pro Jahr! Wir durchwanderten die Grotte eine Stunde lang in ehrfürchtiger Stille.

Nachdem wir schließlich das Tageslicht wieder erblickten, unendlich viele Felsenstufen nach oben kraxelten und sich Erschöpfung breitmachte, ging es vor der Rückkehr nach Lençois – mittlerweile war es Nachmittag geworden – weiter im Jeep zur letzten Tagesstation, dem Hochplateau des Morro do Pai Inácio mit seinem weitläufigen Blick auf die Landschaft der Chapada…

…den manche auf ihre ganz besondere Weise genossen… 😉

 3. Tag: Cachoeira da Fumaça

Nach der vorerst letzten Nacht in Lençois ging es mit einem recht großen und alten Jeep ins Vale do Capão, von dem aus unsere Wandertour zum Cachoeira da Fumaça startete. Natürlich war zunächst einmal wieder ein ordentlicher Aufstieg zu bewältigen…

Aufstieg...

…der aber auch – wenn man noch die Kraft hatte, nach rechts, links oder vorn zu schauen…

...Blick aufs Vale do Capão...

… schöne Ausblicke auf die Landschaft bot…

Weg zum Wasserfall I

Weg zum Wasserfall II

Nach gefühlten drei Stunden kamen wir endlich auf einem Hochplateau über dem Cachoeira an. Und spätestens hier zeigte sich, warum er den Namen „Rauch-Wasserfall“ trägt: der Strahl ist so fein und dünn…

Cachoeira de Fumaça

…dass er von den im Tal entstehenden Aufwinden…

…einfach wieder nach oben gedrückt wird! Sozusagen ein Wasser-Steig. Trotzdem scheinen 380 m weiter unten noch ein paar Tropfen anzukommen…

Blick in die Tiefe

…wovon ich mich mit abgrundtiefem Blick natürlich selbst überzeugen musste…

 

nur Fliegen ist schöner...

Auf dem Rückweg wartete noch eine besondere Überraschung auf uns…

Hier bahnt sie sich schon an!

da braut sich was zusammen...

Und tatsächlich kam in unglaublicher Geschwindigkeit ein Regengebiet auf uns zugerast, dass alle und alles bis auf Haut und Knochen durchnässte. Zum Glück waren wir nicht mehr sooo weit vom Fahrzeug entfernt. Und trotz Müdigkeit ging der Abstieg plötzlich ganz schnell, selbst für einen Reisekollegen, der sonst immer der letzte war. Wir konnten froh sein, dass unser Toyota-Jeep Baujahr 1986 mit Mercedes-Motor uns heil und sicher durch das Schlammfeld bringen konnte, das vor dem Regenfall mal eine Straße war.

Sieht harmlos aus?!? Die ersten Fahrzeuge und Motorradfahrer straucheln…

…und auch so mancher LKW blieb auf der Strecke!

In der Pousada angekommen wurde ich in ein echtes Luxuszimmer geführt und wollte gerade begeistert unter die Dusche springen, als der Portier an die Tür klopfte und offerierte, dass die Räumlichkeiten vertauscht worden seien. So musste ich mit meinem Gepäck wieder umziehen – und landete in einem echten Holzklasse-Zimmer (nun ja, ich hatte Holzklasse gebucht – als einziger aus der Gruppe…). Aber eine Pizza in der vermutlich besten Pizzeria der Chapada in Vila do Capão, die man noch selbst mit Sojasauce und einem mit getrockneten Chilischoten versetzten Honig verfeinern konnte, tröstete über die Lage hinweg. Gute Nacht!

4. Tag: Trilha Capão – Guiné

Dieser Abschnitt der Abenteuertour, eine 18 km lange Wanderung durch das Vale do Capão, war für mich der schönste. Allerdings nicht von Anfang an, denn zunächst verhinderten Nieselregen und niedrige Temperaturen echte Freudengefühle.

Matsch-Weg

...durch den Monsun...

erste Licht-Blicke

Man begegnete auch manch seltsamem Getier…

Riesen-Grille

Als wir gegen Mittag an einem kleinen See Rast machten, schien schon wieder die Sonne – und gegen ein Bad war nichts mehr einzuwenden!

Rast am See

unser kleines Wanderteam...

Mit einem Picknick gestärkt ging es weiter – und nachdem sich die Wolken weitgehend verzogen hatten, wurde der Blick frei auf die wunderbare Landschaft.

Einen gefilmten Rundblick gibt es hier (Geduld, Geduld!).  Nach Überquerung eines Flüsschens…

…und einem nochmaligen Aufstieg ging es dann wieder abwärts…

…mit nicht minder schönen Ausblicken…

Angekommen! 18 km gewandert, geklettert, genossen! Die Bilder, in Sekunden betrachtet, können diese Eindrücke nicht wirklich wiedergeben.

Doch noch war unser neues Ziel, Mucugê, nicht erreicht. Mit dem Wagen ging es nun über in der Abendsonne liegende Straßen.

Mucugê zeigte sich als kleines, schön gestaltetes, leicht verschlafenes Örtchen mit rund 14.000 Einwohnern und kopfsteingepflasterten Straßen. Diesmal hatte ich mit meiner Pousada wirklich Glück: ein total gemütliches, großes Zimmer in einem schönen Ambiente!

Blick aus dem Zimmer in Mucugê

5. Tag: Cachoeira do Buracão

Nach einer längeren morgendlichen Fahrt durch die schöne Berglandschaft der Chapada Diamantina…

…setzten wir unseren Weg zu Fuß am Lauf eines kleinen Flusses, des Rio Espalhado, fort.

Schon zeigte sich der erste kleine Wasserfall…

…doch bis wir zur Hauptattraktion kamen, waren noch Hürden zu überwinden.

hauptsache schwindelfrei...

Beim Hinabsteigen in den Canyon kamen wir am beeindruckenden Cachoeira das Orchídeas vorbei.

Und nach mittlerweile gewohntem Kraxeln über Gesteinsbrocken…

…zeigte sich endlich der Canyon vor uns! Seine wahre Schönheit aber…

ließ sich erst beim Blick um die Ecke entdecken!

Und hier hieß es im wahrsten Sinne des Wortes „einen Blick riskieren“!!
Denn diese Sicht eröffnete sich nur von der Brücke aus…

Wenn ein Schritt danebengeht...

...adios, carinho 😉

Dann hieß es tatsächlich in die Fluten springen, denn der einfachste Weg zum Cachoeira do Buracão führte übers Wasser.

Nein, ich bin nicht von der Brücke gefallen!! 😛

Und so erreichten wir ein weites Becken, in das am gegenüberliegenden Rand der beeindruckende Wasserfall stürzte. Natürlich reichte es nicht aus, ihn von Ferne zu betrachten. Wir schwammen bis zu seinem Rand…

…und kletterten auf die Felsen…

…denn wir wollten ja hinter den Wasserfall!

Das ging nur, wenn man auf den glitschigen Gesteinsstufen Stück für Stück zur Seite rutschte.
Hinter den Fluten verweilten wir eine Zeitlang und genossen das Brausen um und über uns. Der Weg zurück sollte duch die weiße Wand gehen. Alle anderen machten einen Fußsprung durch das herabstürzende Wasser. Nur ich musste mal wieder etwas besonderes ausprobieren und machte einen Köpfer. Dabei hatte ich nicht damit gerechnet, dass der Druck der Wassermassen sofort meinen eintauchenden Kopf nach unten drücken, die Füße den Halt verlieren und ich quasi senkrecht ins Wasser schießen würde, wobei ich unter der Oberfläche, zu meinem großen Glück, nur ganz leicht den Felsen touchierte, ohne mich zu verletzen. Hmm, vielleicht doch etwas zu viel des Übermuts…

Nach einer Ruhepause ging es bzw. schwamm es durch den schönen Canyon zurück. Einige kraxelten sogar über die Felsen und mussten dann die kleine Hängebrücke überqueren. Ich zog den Wasserweg vor und erkundete den Fluss noch ein Stück in die andere Richtung.

Nach einem Picknick machten wir uns auf den Rückweg…

"über Stock und über Stein...Rirarutsch..."

…auf dem wir den Wasserfall noch einmal von oben betrachten konnten.

Cachoeira do Buracão: Ein wunderbarer und erlebnisreicher Tag und einer der Höhepunkte der Tour!

6. Tag: Cachoeira das Três Barras

Nach einer weiteren Nacht im schönen Mucugê mussten wir diesmal nur ein kurzes Stück mit dem Jeep fahren, um dann unseren Weg weiter zu Fuß zurückzulegen. Diesmal ging es durch eine eher karg bewachsene Busch- und Graslandschaft.

Der überaus anstrengende dreistündige Marsch führte nicht nur Berge hinunter und hinauf, einen großen Teil der Strecke liefen bzw. kraxelten wir im oder am Flussbett des Rio Piaba über zum Teil rutschige Felsen.

Diese Wanderung war mit Abstand die anstrengendste der ganzen Tour. Wäre ja nicht so schlimm, wenn das Ziel der Mühe wert gewesen wäre. Was sich uns aber am Ende zeigte, war eher ein dünnes Strählchen an einem von kargen Felsen umgebenen See…

Dennoch genossen wir es sehr, uns in der Sonne auszuruhen und ein Bad im kühlenden Nass zu nehmen. Bevor wir die mühsame Strecke wieder zurückgehen mussten. Doch der Weg ist das Ziel!

Ziemlich erschöpft kamen wir nach einem kurzen Zwischenstopp in Mucugê erst bei untergehender Sonne im kleinen und bezaubernden Igatu an, einem 380-Seelen-Dorf in historischer Steinbauweise, das in den ersten Stunden der Diamantensuchzeit im 19. Jahrhundert entstanden ist und in seiner Blütezeit 9000 Bewohner beherbergte.

Nach einem köstlichen Abendessen in einem hübschen Restaurant verbrachte ich die letzte Nacht unserer Tour wieder in einer wirklich bezaubernden Pousada. Glück gehabt! 🙂

Weg zur Pousada

Blick von der Terrasse

7. Tag: Poço Encantado und Poço Azul

Vor unserer Rückkehr nach Lençois und damit dem Ende der Tour besuchten wir noch zwei sehr attraktive Höhlen.

"Bei die Arbeit..."

Abstieg in die Höhle

Der 60 m tiefe Poço Encantado wird von April bis September durch einen eintretenden Lichtstrahl bis in seine Untiefen erhellt. Für dieses Januar-Foto musste meine Kamera jedoch alles hergeben – es entstand mit zehn Sekunden Belichtungszeit.

Nach dem schönen und beeindruckenden Höhlen-Erlebnis ging es zur letzten Station, dem Poço Azul. Der in dieser Höhle verborgene See war vielleicht sogar noch bizarrer, und – wir konnten darin schwimmen!!

Der Blick an die Decke mit der kleinen Lichtöffnung ist wie aus einer anderen Welt.

Nach einem köstlichen Mittagessen entstand, bevor sich die Gruppe in Lençois trennen würde, noch ein Abschiedsfoto – ganz links unser sehr kundiger guia Jaime. Unsere Gruppe – fünf wirklich grundverschiedene Menschen; aber für diese eine Woche waren wir ein Team.

Die unglaublich schönen Chapada-Bilder von Karsten Rau finden sich hier.

Noch einmal Itacaré

Schon bei meiner Abreise aus dem geliebten Städtchen hatte ich bei Miguel mein Zimmer reserviert. Doch bevor ich dort ankommen sollte, musste erst die leidige Tour Lençois-Itacaré bewältigt werden, bei der schon einmal so einiges schief ging. Diesmal kam der Bus mit anderthalb Stunden Verspätung in Salvador an. Ich sah mich schon die letzte Möglichkeit nach Itacaré verpassen. Denn vor dem Bus dorthin kam ja noch die Fähre. Und die nächste fuhr um 16 Uhr los, zu spät, um pünktlich einzutreffen. Aber ich war ja diesmal schlauer und nahm in Salvador die halbstündlich ablegende Personenfähre. Die fuhr jedoch einen anderen Hafen an, sodass ich von dort noch ein Taxi zur Busstation nehmen musste. Um 16.30 Uhr hatte ich es geschafft und steckte erleichtert mein Busticket in die Tasche. Um zehn vor fünf sprach ich etwas besorgt den Busfahrer an, weil außer mir noch fast kein Fahrgast zu sehen war. Ja, meinte er, sie würden noch auf die Autofähre warten, die um 16 Uhr in Salvador abgelegt hat. *seufz*

Spät am Abend erreichte ich, erschöpft von über 15 Stunden Reise für rund 500 km Strecke, Itacaré.

Nach einem Besuch meiner geliebten Praia Resende saß ich am nächsten Tag mit Miguel und Stefan, der das andere Zimmer mietete, in Miguels Lieblings-Strandkneipe an der nahe gelegenen Praia Coroinha

…und wir genossen den schönen Ausblick…

In der Kneipe wurde uns von einem Fischer ein großer Beutel Krabben sehr günstig angeboten und wir schlugen zu. Leider hat es der Fischer aber mit dem Trick, er wolle nur noch Eis auf die Krabben tun, geschafft, den Beutel auszutauschen und uns (fast) vergammelte Tiere unterzujubeln, was man wegen des Eises aber zunächst nicht riechen konnte. Als wir es letztendlich merkten, sind wir hin zum Hafen, haben den Typen auch gefunden und zur Rede gestellt. Er hat natürlich geleugnet, und das Geld war schon ausgegeben. Nach echt langem Hin und Her, bei dem auch andere Fischer einbezogen waren, die Miguel alle kannte, bekamen wir einen Beutel frischer Krabben. Puh. Zuhause wurde dann frittiert und gepult (was eine ganz schöne Schweinerei verursachte – und die Küche stank am nächsten Tag bestialisch… :D).

Den wohl abgefahrendsten Ausflug meiner Reise brachte der folgende Tag. Miguel kannte einen Wasserfall ganz in der Nähe von Itacaré, war im Vorjahr das letzte Mal dort und bot uns (Stefan und mir) an, uns dorthin zu führen. Die Tour sollte einfach sein, also reichten kurze Hosen und havaianas (hier Kult, bei uns Badelatschen…).

Schon beim Aussteigen aus dem Bus zeigte sich, dass Miguel wohl doch keine so große Ahnung vom Weg hatte. Er suchte lange, ohne zu finden. Wir stiegen über einen Stacheldrahtzaun auf Privatgelände, einen Hügel hinauf, und dann, erste Tortur, mussten wir eine Wiese mit teilweise bis zu hüfthohem scharfkantigen Gras überqueren, und da wir quasi barfuß waren, schnitten wir uns daran die Füße blutig. (Noch Wochen später hatte ich Schorfstriemen…) Dann ging es in einen Wald, doch der „Weg“ war zugewachsen, kaum bzw. gar nicht mehr zu erkennen, zudem teilweise durch umgestürzte Bäume versperrt. Mehrfach mussten wir durchs Flussbett über glitschige Steine balancieren und kamen dabei ins Stolpern. Miguel versprach jedesmal, dass es gleich besser werden würde.  Wurde es aber nicht. Und wir bald am Ziel seien. Nun ja, irgendwann kamen wir tatsächlich an und hatten wenigstens ein schönes Bild vor Augen.

Der Rückweg war dann noch grausliger. Um das schneidende Gras zu umgehen, liefen wir ein Stück weiter durch den Wald, kamen in morastiges Gebiet, über das wir uns auf halbverfaulten Holzbohlen vorwärtstasteten und doch ab und zu tief in den Schlamm gerieten. Irgendwann verloren wir die Orientierung, es begann schon leicht zu dämmern. Schlechte Voraussetzungen. Schließlich wateten wir, bis zu den Knien einsinkend, barfuß durch den Schlamm, um schneller voranzukommen. Und dann, als Miguel, der gerade vorausging, schon jammerte, das alles voller Dornen sei, hörten wir das Geräusch der Straße und stießen letztendlich auf einen Feldweg. Völlig verdreckt erreichten wir die Hauptstraße. Wuschen uns an einem Flüsschen. Versuchten, wieder halbwegs hergestellt, einen Bus nach Itacaré anzuhalten. Erfolglos. Sahen dann nicht unweit auf der anderen Straßenseite ein Taxi stehen. Ein Taxi! Ich hin und den Fahrer angesprochen. Der wartete dort auf einen Klienten, hatte aber noch ein wenig Zeit und ließ sich letztendlich überzeugen, uns in die Stadt zu bringen. Puh. Wattn Glück.

Als Miguel mich am nächsten Tag fragte, was denn nun eigentlich besch… gewesen sei, der Hinweg oder der Rückweg, konnte ich ihm – fast schon wieder lachend – eine klare Antwort geben: beides!

Den letzten Tag verbrachte ich in Abgeschiedenheit.

Vom Fischerhafen aus ließ ich mich in einem kleinen Ruderboot…

…auf die Halbinsel Maraú übersetzen. Dort wartet kilometerlanger herrlicher weißer Sandstrand…

…ohne eine Menschenseele. Ich wanderte und wanderte, durchwatete einen Pril, kam an langen Kokosplantagen vorbei, badete, lag in der Sonne…

Schließlich war es dann an der Zeit umzukehren. Nun hatte aber leider die Flut eingesetzt, und der Pril, den ich auf dem Hinweg mühelos durchwatete, war zu einem reißenden Strom geworden, den mit Gepäck zu überqueren unmöglich war. Ich wanderte also notgedrungen an der rechten Prilseite weiter, bis ich auf eine hübsche Pousada stieß.

Und diese besaß doch tatsächlich ein Flößchen, das man an einem Seil von einem Ufer zum anderen ziehen kann. Leider lag es gerade am anderen Ufer…

Ich also mit Badehose ins Wasser gesprungen, das Floß zurückgeholt, meine Sachen genommen – um mit demselben Floß wieder ans andere Ufer zu fahren und mit einem Grinsen im Gesicht meinen Weg fortzusetzen…

und feste ziiiiehn...

Letztendlich kam ich wohlbehalten am Pontal, der äußeren Spitze der Halbinsel, an, und siehe, eine Bar hatte geöffnet und es herrschte reger Feierabendbetrieb. So setzte ich mich, ruhte mich aus, trank ein Bier, blickte auf Itacaré…

…und auf Portodetrás und ließ die Gedanken kreisen.

Dieser Ort war mir in vielen schönen Tagen ein Stück Heimat.

 

„Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.“



 

Brasilianische Weihnacht

Tja, also, Weihnachten ist hier echt anders. Bei 30° C wird ein Schneemann nicht mal geboren, und ich fragte mich, ob Papai Noel hier eigentlich auch in dickem Mantel und mit Rentierschlitten ankommt… oder eher halbnackt auf dem Hoverboard… 😉 Seit einer Woche sind Sommerferien, Urlaubswetter, doch ich weile noch in São Paulo, da meine brasilianische Familie mich netterweise einlud, die Feiertage mit ihnen zu verbringen!! 😀

Wenn ich mich auch schon anpasse und mein Zimmer mit einem (wie praktisch) jährlich wiederverwendbaren, nicht nadelnden und zudem formvollendet gewachsenen Kunst-Tannenbaum schmücke…

brasilianische Tanne mit chinesischen Wurzeln 😉

…sollte wenigstens die deutsch-brasilianische Weihnachtsgans nicht fehlen! Es stellte sich jedoch als schwierig heraus, eine Gans für diese Zwecke käuflich zu erwerben. Die Tiere werden hier nämlich, wenn überhaupt, in Funktion eines Wachhunds gehalten – und wer isst schon seinen Hund?!? 😉 Traditionsgemäß wird in Brasilien, wie in Nordamerika, der Truthahn aufgetischt (den es natürlich auch noch gab, irgendwie mussten die knapp 30 Leute ja satt werden…).

Rotkohl war gefragt, frisch kein Thema – aber wo zum T… findet man Sternanis und Piment?!? Nun ja, all diese Probleme wurden letztendlich gelöst, der Rotkohl schlummerte wohlgewürzt im Kühlschrank, die Gans entspannt daneben.

Doch zunächst war in der Adventszeit Weihnachtsbacken angesagt. Ich habe hier so viel Kekse produziert wie in Deutschland in drei Jahren nicht – und sogar einen echten Dresdner São Paulo-Stollen!

Weihnachtsbacken Teil 1

Natürlich hatte ich immer fleißige Helfer, beim ersten Mal Thomas und später noch Ingo, beim zweiten Mal Max, den Sohn meiner deutschen Nachbarn, der die Rezepte mit neuen Ideen bereicherte. Das Foto zeigt insofern nur einen Ausschnitt der insgesamt viele Kilo schweren Backwaren (allein 3 kg Mehl verbraucht, ca. 1,5 kg Butter, über 1 kg Orangeat/Zitronat, 1 kg Mandeln, Sahne, Zucker, Schokolade…).

Doch auch ein Besuch der weihnachtlich geschmückten Avenida Paulista, der wichtigsten Straße im Zentrum, und des Ibirapuera-Parks bei Nacht ist ein Muss.

dieses Foto möchte ich mal meiner Kamera widmen 🙂

Ibirapuera-Park

Heiligabend bestand dann aus letzten Weihnachtseinkäufen und Vorbereitungen für die große Feier am Abend. Max kam noch vorbei, um ungestört ein Geschenk für seine Eltern zu basteln, und plötzlich war die ganze Casinha voll mit Kindern, die Stoff in verschiedensten Formen ausschnitten, zusammennähten und mit Reis füllten…

… während Lucas E. am Laptop saß und für die richtige Begleitmusik sorgte. 🙂

Gegen halb neun Uhr abends fanden sich dann die Gäste in Wilsons Haus ein, wo die Tische schon festlich gedeckt waren.

Das Bild zeigt aber nur einen Teil des Ganzen, denn insgesamt waren wir 16 Erwachsene und zwölf Kinder!! Bevor das Essen losging, wurde erst einmal Sekt getrunken, geklönt und viel fotografiert – während in der Küche die Braten langsam aber beständig abkühlten…

Ricardos Familie mit Janaína, Deanne, Ian und Diego

Wilsons Familie mit Paula, Gabi, Ana-Carolina, Lucas A. und Sophia

Beim Verkosten der Gans, die man mit ihren 2,3 kg eher als Leichtgewicht bezeichnen kann, zeigte sich, dass die eher wenig zartbesaiteten Tiere doch lieber weiter Häuser bewachen sollten. Aber die Füllung schmeckte prima, und auch der Rotkohl war gelungen. Außerdem gab es ja noch zwei Puten, einen Schinkenbraten, Fischauflauf und diverse Beilagen… 😉

Dann hieß es auf Papai Noel warten… Die Geschenke lagen schon unterm Baum verteilt, die Kinder scharten sich drumherum, bis er sich kurz vor Mitternacht endlich draußen vor dem Fenster blicken ließ. 😀

Er sieht zwar (fast) genauso aus wie der deutsche Weihnachtsmann, ist aber doch viel netter. Gar nicht streng, viele Späße machend, und niemand muss ein Gedicht aufsagen oder singen, um beschenkt zu werden! Er setzt sich gemütlich hin, nimmt sich viel Zeit, und jedes Kind, das das erste Päckchen von ihm überreicht bekommt, wird erst einmal ausgiebig geknuddelt. Brasilianisch eben.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche euch frohe und besinnliche Feiertage und einen Jahreswechsel, bei dem es richtig kracht!! 🙂 Euer

weihnachts-engelchen

 

PS: Einen kleinen Wunsch hätte ich auch: mögen hier ein paar mehr Kommentare zu den Artikeln erscheinen… 🙂 Mal sehen, ob sich Papai Noel gnädig zeigt. 😉

 

 

 

 

Monte Azul – Ein Klopfen an der Tür

Man schrieb das Jahr 1975, als die deutsche Lehrerin Ute Craemer, die Brasilien schon aus zwei Jahren Entwicklungshelfertätigkeit kannte, ihre Koffer packte und nach São Paulo ging, um in der dortigen Waldorfschule zu unterrichten. Mit den Kindern eines benachbarten Elendsviertels, die zu dieser Zeit immer wieder an die Tür ihres Hauses klopften und sie um ein wenig Nahrung baten, begann die Geschichte einer Initiative, die heute weit über Brasiliens Grenzen hinaus Vorbildcharakter besitzt und das Leben vieler Menschen nachhaltig verändert hat.

Ute, 1938 geboren, wusste aus eigener Erfahrung nur zu gut, was Armut bedeutet – ihre Mutter selbst war in den Folgen des Zweiten Weltkriegs mittellos geworden und zum Betteln gezwungen. So sah Ute auch schnell, dass diese Kinder viel mehr bedurften als nur Essbares. Eines Tages nahm sie deren Einladung an und besuchte sie in ihren Behausungen in der damals noch namenlosen Nachbarschaft – Baracken aus Abfallholz, Wellblech, Lehm, zwischen denen Rinnsale von Fäkalien und Abwasser hindurchflossen.

Ute gab nicht nur Nahrung und Kleidung, sie ließ die Kinder auch in ihrem Garten spielen und basteln. Schenkte ihnen damit ein Stück Kindheit. Sie begann zu den Hüttenbewohnern zu gehen, ihnen zuzuhören, sie als Menschen zu behandeln. Schenkte ihnen damit ein Stück Würde.

Ihr Garten füllte sich mehr und mehr mit Kindern. Nach dem Gespräch mit der Mutter eines ihrer Waldorfschüler machte sie schließlich ihrer 7. Klasse den Vorschlag, den armen Slumkindern gemeinsam zu helfen. Ihre Schüler waren begeistert und steuerten sofort viele Ideen bei. Und Ute sah, dass in diesem Austausch zwischen zwei Welten mehr entstand als die Summe seiner Teile, dass beide Seiten gewannen. Sie fing an, Geld für eine feste Einrichtung zu sammeln. Als Bittstellerin an die Türen klopfend, so wie die Kinder bei ihr, aller Schamgefühle zum Trotz. Durch die großzügige Spende eines deutschen Rechtsanwalts konnte sie 1979 schließlich in Zusammenarbeit mit den Favelabewohnern ein erstes Gebäude mit Krippe, Kindergarten und Hort errichten. Dies war die Geburtsstunde der „Associação Comunitária Monte Azul„, für die Ute schließlich ihren Lehrerberuf kündigte. Und so ihr Leben ganz der Arbeit für die Ärmsten verschrieb. Mit ihrem Wirken, mit ihrer Bereitschaft, sich selbst zu geben, ist sie eines meiner größten Vorbilder.

Mittlerweile sind bereits weit über 1000 Kinder und Jugendliche in das Programm eingebunden. Die Associação verfügt heute über mehr als 200 bezahlte Mitarbeiter und 70 freiwillige Helfer aus aller Welt. Es gibt ein eigenes Krankenhaus mit Geburtsstation, eine Schule, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Werkstätten. Die Wellblechhütten sind Häusern aus Stein gewichen, jedes von ihnen verfügt über Strom, fließend Wasser und ist an das öffentliche Abwassersystem angeschlossen. Mit der positiven Folge, dass Monte Azul in diesem Jahr der Favela-Status aberkannt wurde, eine unglaubliche Aufwertung für die Bewohner.

Mein eigener kleiner bescheidener Beitrag zu diesem großen Werk ist, einmal wöchentlich in der „Central de Oportunidades“ Jugendlichen und Jungerwachsenen, die ins Berufsleben eintreten möchten, Mathestunden zu geben. Sie erhalten dort einen zweiwöchigen „Crashkurs“, der ihnen die notwendigsten Grundlagen vermitteln soll, alles auf einfachstem Niveau.

Die „Casa Amarela“, das gelbe Haus mit der bunten Schrift, ist dann mein „Arbeitsplatz“. Hier lösen die fleißigen Schüler Matheaufgaben… 🙂

Im Vordergrund sind einige der zehn Computer zu sehen, die ich der Humboldtschule als Spende für Monte Azul abgewinnen konnte, da gerade neue Geräte angeschafft wurden. Und wer nicht glaubt, das dies alles inklusive Monitor, Maus und Tastatur nebst einem Fax aus privater Spende plus Fahrer in einen Peugeot 206 passen kann, den sollen folgende Bilder überzeugen :):

Am Mittwoch im Club der Reichen Ringtennistraining, am Donnerstag am unteren Rand stehenden Jugendlichen Mathestunden zu geben – auch das zwei völlig getrennte Welten. Die jedoch nächstes Jahr auf wundersame Weise zusammenwachsen können. Denn die Leiterin der Ringtennisabteilung des Club Atléthico Paulistano, Cida, vor deren Engagement und Tatkraft ich den Hut ziehe, möchte über unseren Sport sozial tätig werden. Außerhalb des Clubs Trainingsstunden für ärmere Kinder anbieten. Und, wie sie auf unserer gemeinsamen Weihnachtsfeier verkündete, anfangen in – Monte Azul!

Was wäre die Welt, wenn niemand den Mut hätte anzuklopfen.
Was wäre die Welt, wenn wir nicht bereit wären zu öffnen.

 

 

 

Garagenparty

Im Gegensatz zu den Verabredungen, die ich in Hamburg teilweise lange Wochen im Voraus treffen musste, um selbst enge Freunde ab und zu sehen zu können, läuft hier vieles wesentlich spontaner ab. 🙂

So wurde ich am Samstagvormittag darüber informiert, dass am selben Abend der 12. Geburtstag des Sohnes eines der Bewohner hier aus erster Ehe, der am Wochenende des Öfteren zu Besuch kommt, mit einer Disco gefeiert werden würde. Natürlich hatte ich kein Geschenk, und es wurde mir auch offeriert, dass wegen des am Wochenende stattfindenden Formel-1-Rennens kaum nach irgendwohin ein Durchkommen sein würde.

Ich kam aber durch, und da ich seit kurzem eine Backform besitze, beschloss ich, einen ersten brasilianisch-deutschen Apfelstreuselkuchen als Geburtstagsgeschenk in die Röhre zu schieben.

Die Party (auch der Kuchen) war ein voller Erfolg. 🙂 Wieder einmal war die ganze Familie da, und mehr und mehr fühle ich mich als Teil von ihr. Es ist hier so unkompliziert, einfach dazuzugehören.

Getanzt wurde bei Discolicht und Nebeldampf bis in die späte Nacht hinein, und Erwachsene wie Jugendliche wie Kinder bewegten sich gleichermaßen ungezwungen auf dem (Beton-)Parkett.

Obwohl ich mich eigentlich für Techno nicht so erwärmen kann, riss es mich doch irgendwie mit. Und zwei Leute „tanzten“ Capoeira, was mich unglaublich beeindruckte. Einen davon sprach ich an, es stellte sich heraus, dass er ein Meister ist. Ich möchte diese Kampf-Tanzkunst lernen. Ich glaube, darüber viel über die brasilianische Kultur zu erfahren. Über das brasilianische Blut, das längst schon mein Herz erreicht hat.

In einer Tanzpause wurde die Geburtstagstorte feierlich präsentiert, mit Applaus gewürdigt und verteilt (meine ist die kleine runde im Vordergrund… :)).

Doch der Tag begann nicht so fröhlich, wie er endete. Der Gedanke daran, dass „mein“ Chor, Vocallegro, sein erstes Weihnachtskonzert ohne mich geben würde, ließ mich schon am Vorabend in Wehmut verfallen. Ließ mich eine ebensolche Mail an die Jungs verfassen. (Dass ich an jenem Abend einen wunderbaren Wein in einem unglaublichen Sonderangebot ausfindig machen und mich damit fürs nächste halbe Jahr bevorraten konnte, tröstete mich jedoch ein wenig… ;))

Ich bin selbst überrascht, wie stark die Bande sind. Wie viel mir, ohne sie bewusst als solche wahrgenommen zu haben, die Traditionen, die wir gemeinsam lebten, bedeuten.

 

 

 

 

Brasilianische Hochzeit

Was sich am Nachmittag und Abend des 6. November in den Sälen des luxuriösen 5-Sterne Hotels Gran Estanplaza in São Paulo abspielte, kann nur als gigantisch, unter kritisch-deutschem Blick vielleicht sogar als gigantomanisch bezeichnet werden. Auf jeden Fall war es die spektakulärste Hochzeitsfeier, die ich bislang miterleben durfte.

Geladen waren über 200 Gäste, die sich zur Trauung von Luis (einem der vier Söhne meiner brasilianischen Großfamilie) und Danielle in einem schön mit Blumengestecken ausgeschmückten Saal zusammenfanden.

Die Zeremonie wurde mit Herz und Witz von einem Pater der katholisch-reformierten Kirchengemeinde gehalten – eine Glaubensgemeinschaft, die mir bis zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt war und die in vielen Bereichen die Toleranz an den Tag legt, die die römisch-katholische Kirche bisher vermissen lässt.

Danielle & Luis

Nachdem das Brautpaar glücklich vereint aus dem Saal geschritten war, öffnete sich überraschenderweise der Vorhang hinter dem Traualtar und ein riesiger Festsaal kam zum Vorschein, in den die Gäste über eine Doppeltreppe zu strömen begannen.

Unten waren unzählige Tische gedeckt und wunderbar dekoriert.

Kaum saß man am Platz, wurden schon Canapees gereicht und ein köstlicher Château Lafite-Rothschild floss ins Glas – und von dort zum finalen Bestimmungsort. 😉

Das anschließende Büfett stand der Qualität des Weins nicht nach. Leider war ich (damit) zu beschäftigt, um Fotos zu machen. 😀

Zum Glück ist mein Portugiesisch schon so weit fortgeschritten, dass ich mich auch mit meinen nicht-deutschen Tischnachbarn angeregt unterhalten konnte – und dabei gleich die nächsten Urlaubstipps bekam. 🙂

Wer es süß mochte, konnte nach den Hauptspeisen entweder vom Liebesapfelbäumchen naschen…

… sich am köstlichen Nachtisch-Büfett delektieren…

…oder sich das eine oder andere der unzähligen edlen Pralinchen auf der Zunge zergehen lassen. 🙂

Nach dem feudalen Speisen verdunkelte sich langsam das Licht…

…der Brautwalzer wurde getanzt und eine Band fing an zu rocken…

…der Saal rockte mit… 🙂

Natürlich durfte auch das traditionelle Brautstrauß-Werfen nicht fehlen…

Es wurde sich so darum gerissen, dass es plötzlich mehrere kleine Sträuße gab. Eine Rose habe ich auch noch abbekommen. 🙂

Den Heimweg trat ich, versehen mit einem Liebesapfel und einem schön verpackten „Abschiedsgeschenk“, das jeder Gast mit auf den Weg bekam, mit sehr gemischten Gefühlen an…

 

 

 

Angekommen

Nach vier Wochen in meiner neuen Behausung könnte man meinen, dass es nun an der Zeit wäre, mal etwas darüber zu berichten. Wer meine letzten Artikel gelesen hat, weiß, dass sich die Suche nach einer passenden Unterkunft nicht gerade einfach gestaltete. Zudem zeigt sich ja oft erst im Nachhinein, ob man die richtige Wahl getroffen hat. Doch, um es kurz zu machen: Ich habe es hier ausgesprochen gut getroffen!

Mein kleines Zwei-Zimmer-Häuschen, eigentlich mehr ein Annex, liegt auf dem Gartengrundstück einer brasilianischen Großfamilie, ganz in der Nähe der Schule. Auf dem recht großzügigen Gelände befinden sich insgesamt fünf Häuser: Die Eltern und die Familien dreier der insgesamt vier Söhne bewohnen jeweils eines, das letzte, ganz am Rand, ist an einen meiner Kollegen und seine Familie vermietet.

Und so sieht es bei mir aus:

Das ist der Küchen-/Wohnbereich von außen. Das Schlafzimmer schließt sich links an. Neben dem Palmenstamm rechts schimmert der Pool durch. 🙂
Und nun ein Blick nach innen:

offener Küchenbereich

Die leichten Spiegelungen kommen vom Fenster. In diesem Bereich gibt es zwei durchgängige Fensterfronten und im Schlafzimmer eine.

"Arbeitszimmer"

"Esszimmer"

Gleich um die Ecke liegt der schöne Pool. 🙂

Und hier merkte ich schnell, dass ich nicht nur geduldet, sondern willkommen bin. Während ich mich am Anfang recht schamhaft auf die rot-schwarzen Bänke am Rande verdrückte (man will ja, deutsch gedacht, niemanden stören oder sich aufdrängen), wurde ich schnell von der Dame des Hauses, die gerade auf einer Liege lag, aufgefordert, mir auch eine zu holen und mich dazuzulegen…

...so chillt es sich doch viel besser 🙂

Natürlich gehören zum Wohnen in einer Großfamilie, wie man sich denken kann, auch gewisse Verpflichtungen.

So bleibt es nicht aus, am gemeinsamen Churrasco teilzunehmen…

das ist Wilson, mein Vermieter 🙂

…mit den Kindern zusammen Buggy zu fahren…

(Hahaha, das war sooo lustig 😀 Wir waren zu fünft im Wohnviertel unterwegs – hier erlaubt. Diego, der am Steuer sitzt, ich auf dem Sitz daneben, das ältere Mädchen hinten stehend und die beiden kleineren Jungs rechts und links auf den Trittbrettern. Nur das ganz kleine Mädchen war nicht mit. Plötzlich kommen zwei Straßenköter, einer rechts, einer links, laut bellend an unsere Seite gelaufen, verfolgen uns und versuchen den Jungs in die Waden zu beißen. Wir haben so dermaßen gelacht 😀 Und dieselbe Runde gleich noch zweimal gedreht, weil’s so schön war.)

…oder Trampolin zu springen…

...man kann das Trampolin aber auch anders nutzen 🙂

Ziemlich viel Spaß macht es auch, auf meiner gerade gekauften Luftmatratze im Pool zu toben…

…oder einfach nur in der Hängematte „abzuhängen“…

Ich schäme mich fast noch zu berichten, dass ich von der Familie bereits zum Weihnachtsfest eingeladen bin … Und gestern zusammen mit 200 weiteren Gästen in einem feinen Hotel die Vermählung des vierten Sohns gefeiert habe…

So viel Gnade!