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Haus am See

Aus Bahia zurückgekehrt, kam mir meine casinha doch ein bisschen klein vor. Also setzte ich mich hin und suchte im Internet nach Wohnungs- und Hausanzeigen. Was ich fand, war dieses großartige Stück:

Teilweise mit antiken Möbeln ausgestattet, Kamin, großem Wintergarten, großem Garten, Blick auf einen See, bezahlbar. Also schnell die Infos an Thomas und Ingo weitergeleitet. Wir hatten vorher schon überlegt, ob wir nicht zusammenziehen wollen, und beide waren sehr interessiert. Bei der Besichtigung stellte sich heraus, dass die Vermieterin deutschstämmig ist und ein Kind am Colegio Humboldt hat. Wieder mal Glück! Und Sympathie auf beiden Seiten. Wir waren uns einig. Ingo musste nur mit seinem Vermieter den Auszug klären und Thomas wollte noch eine Probefahrt machen, da er ja in den enfernteren Stadtteil Morumbi zur Arbeit würde fahren müssen.

hier mal ein Blick von innen 🙂

Dann kam der bittere Moment. Thomas brauchte mehr als eine Stunde, das war nicht zumutbar. Also war die Sache gestorben. 🙁 Es kostete mich viel Überwindung, Gisela, die Vermieterin, zu informieren…

Am nächsten Tag meldete sich die Maklerin. Da gebe es noch ein Haus, was der Mutter gehöre und auf demselben Grundstück stehe wie deren eigenes. Es sei aber ein bisschen heruntergekommen… Also wieder mit Gisela telefoniert und diesmal nur mit Ingo zur Besichtigung. Was sich uns dann zeigte, sah so aus:

Eingangsbereich

Wohnzimmer

Küche

Das Haus stand vier Jahre mehr oder minder leer, war komplett renovierungsbedürftig, zudem waren Küche und Bäder mit, naja, hübschen Kacheln gefliest. Alle Einbauschränke rochen muffelig bis moderig. Der schöne Dielenboden im Wohnzimmer war teilweise verrottet. Uns war klar: Die ist kein Haus, sondern ein Projekt! Aber in einmaliger Lage, mit einem RIIIEESEN-Garten und mit fantastischem Blick über den großen Stausee. Als Silhouette, ganz hinten am Horizont, die Hochhäuser São Paulos…

Blick von der Terrasse 🙂

Wir holten uns Kostenvoranschläge für die Renovierung. Und dann kam das entscheidende Gespräch mit Gisela und deren fast achtzigjähriger (aber topfitter!) Mutter Hilde. Wir saßen also eines Sonntagmorgens um elf bei Hilde am Gartentisch, tranken das erste gemeinsame Bier und sollten nennen, was wir zu zahlen bereit wären. Die Spanne setzte ich relativ niedrig an, denn es kommen hier immernoch recht hohe Grundsteuern dazu. Und die beiden nahmen den untersten Wert der Spanne und waren damit einverstanden!! Die Renovierung würde zudem zwar von mir vorverauslagt, aber mit den Mietkosten verrechnet werden!!! Da gab es nicht mehr viel nachzudenken!!! 🙂

Ab März begann die große Umbauphase.

Renovierung

Der Fußboden im Wohnzimmer musste kompett herausgerissen werden und wurde durch Fliesen ersetzt. Alle Wandfliesen von Bädern und Küche wurden weiß überlackiert und natürlich alle Wände und Decken innen und außen gestrichen, Fensterrahmen lackiert etc., etc.

Wie es der Zufall so will ;), zog unser Schulleiter Ende März mit seiner Famile nach Deutschland zurück, und ich konnte so gut wie alle Möbel übernehmen. Eigentlich wollten wir zu diesem Zeitpunkt schon einziehen, aber der Fußboden im Wohnzimmer war (neben vielem anderem) noch nicht fertig. So mussten wir alle Möbel in Ingos zum Glück nur 200 m entfernte Garage tragen und dort zwischenlagern. Auch Ingo brachte noch einige Möbel mit ein und vor allen Dingen Elektrogeräte, sodass wir von Anfang an mit allem ausgestattet waren!

Und dann war es endlich soweit: am 5. April war Einzugstag!! Jetzt sieht unser Häuschen so aus:

Kamin

Essbereich

mein großer Traum: ein Flügel

Küche

Und nun geht es nach draußen…

mein Lieblingsplatz 🙂

Im Garten gibt es kleine Äffchen, die mittlerweile schon ganz zahm geworden sind und wild sind auf Bananen (Apfelstreuselkuchen schmeckt ihnen aber auch :)).

🙂

Einen Pool gibt es auch…

…und ein Grillplatz darf natürlich nicht fehlen… 🙂

Zur Einweihung feierten wir eine riesige Party mit über 100 Gästen. Alle brachten Salate oder Nachtisch mit, es wurde gegrillt, gegessen, getrunken und später getanzt. Wir saßen bei Fackelschein unter den schönen Bäumen unseres Gartens…

Unser zukünftiger Schulleiter war auch mit dabei, er hatte in den Tagen gerade sein Vorstellungsgespräch, feierte kräftig mit – und wird nun das nur fünf Fußminuten entfernte Haus mieten, das wir uns als erstes angeschaut hatten. 🙂

Sonnenuntergang im Garten ♥

 

PS: Wir haben ein Gästezimmer! 😀

 

 

 

 

Brasilianische Weihnacht

Tja, also, Weihnachten ist hier echt anders. Bei 30° C wird ein Schneemann nicht mal geboren, und ich fragte mich, ob Papai Noel hier eigentlich auch in dickem Mantel und mit Rentierschlitten ankommt… oder eher halbnackt auf dem Hoverboard… 😉 Seit einer Woche sind Sommerferien, Urlaubswetter, doch ich weile noch in São Paulo, da meine brasilianische Familie mich netterweise einlud, die Feiertage mit ihnen zu verbringen!! 😀

Wenn ich mich auch schon anpasse und mein Zimmer mit einem (wie praktisch) jährlich wiederverwendbaren, nicht nadelnden und zudem formvollendet gewachsenen Kunst-Tannenbaum schmücke…

brasilianische Tanne mit chinesischen Wurzeln 😉

…sollte wenigstens die deutsch-brasilianische Weihnachtsgans nicht fehlen! Es stellte sich jedoch als schwierig heraus, eine Gans für diese Zwecke käuflich zu erwerben. Die Tiere werden hier nämlich, wenn überhaupt, in Funktion eines Wachhunds gehalten – und wer isst schon seinen Hund?!? 😉 Traditionsgemäß wird in Brasilien, wie in Nordamerika, der Truthahn aufgetischt (den es natürlich auch noch gab, irgendwie mussten die knapp 30 Leute ja satt werden…).

Rotkohl war gefragt, frisch kein Thema – aber wo zum T… findet man Sternanis und Piment?!? Nun ja, all diese Probleme wurden letztendlich gelöst, der Rotkohl schlummerte wohlgewürzt im Kühlschrank, die Gans entspannt daneben.

Doch zunächst war in der Adventszeit Weihnachtsbacken angesagt. Ich habe hier so viel Kekse produziert wie in Deutschland in drei Jahren nicht – und sogar einen echten Dresdner São Paulo-Stollen!

Weihnachtsbacken Teil 1

Natürlich hatte ich immer fleißige Helfer, beim ersten Mal Thomas und später noch Ingo, beim zweiten Mal Max, den Sohn meiner deutschen Nachbarn, der die Rezepte mit neuen Ideen bereicherte. Das Foto zeigt insofern nur einen Ausschnitt der insgesamt viele Kilo schweren Backwaren (allein 3 kg Mehl verbraucht, ca. 1,5 kg Butter, über 1 kg Orangeat/Zitronat, 1 kg Mandeln, Sahne, Zucker, Schokolade…).

Doch auch ein Besuch der weihnachtlich geschmückten Avenida Paulista, der wichtigsten Straße im Zentrum, und des Ibirapuera-Parks bei Nacht ist ein Muss.

dieses Foto möchte ich mal meiner Kamera widmen 🙂

Ibirapuera-Park

Heiligabend bestand dann aus letzten Weihnachtseinkäufen und Vorbereitungen für die große Feier am Abend. Max kam noch vorbei, um ungestört ein Geschenk für seine Eltern zu basteln, und plötzlich war die ganze Casinha voll mit Kindern, die Stoff in verschiedensten Formen ausschnitten, zusammennähten und mit Reis füllten…

… während Lucas E. am Laptop saß und für die richtige Begleitmusik sorgte. 🙂

Gegen halb neun Uhr abends fanden sich dann die Gäste in Wilsons Haus ein, wo die Tische schon festlich gedeckt waren.

Das Bild zeigt aber nur einen Teil des Ganzen, denn insgesamt waren wir 16 Erwachsene und zwölf Kinder!! Bevor das Essen losging, wurde erst einmal Sekt getrunken, geklönt und viel fotografiert – während in der Küche die Braten langsam aber beständig abkühlten…

Ricardos Familie mit Janaína, Deanne, Ian und Diego

Wilsons Familie mit Paula, Gabi, Ana-Carolina, Lucas A. und Sophia

Beim Verkosten der Gans, die man mit ihren 2,3 kg eher als Leichtgewicht bezeichnen kann, zeigte sich, dass die eher wenig zartbesaiteten Tiere doch lieber weiter Häuser bewachen sollten. Aber die Füllung schmeckte prima, und auch der Rotkohl war gelungen. Außerdem gab es ja noch zwei Puten, einen Schinkenbraten, Fischauflauf und diverse Beilagen… 😉

Dann hieß es auf Papai Noel warten… Die Geschenke lagen schon unterm Baum verteilt, die Kinder scharten sich drumherum, bis er sich kurz vor Mitternacht endlich draußen vor dem Fenster blicken ließ. 😀

Er sieht zwar (fast) genauso aus wie der deutsche Weihnachtsmann, ist aber doch viel netter. Gar nicht streng, viele Späße machend, und niemand muss ein Gedicht aufsagen oder singen, um beschenkt zu werden! Er setzt sich gemütlich hin, nimmt sich viel Zeit, und jedes Kind, das das erste Päckchen von ihm überreicht bekommt, wird erst einmal ausgiebig geknuddelt. Brasilianisch eben.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche euch frohe und besinnliche Feiertage und einen Jahreswechsel, bei dem es richtig kracht!! 🙂 Euer

weihnachts-engelchen

 

PS: Einen kleinen Wunsch hätte ich auch: mögen hier ein paar mehr Kommentare zu den Artikeln erscheinen… 🙂 Mal sehen, ob sich Papai Noel gnädig zeigt. 😉

 

 

 

 

Garagenparty

Im Gegensatz zu den Verabredungen, die ich in Hamburg teilweise lange Wochen im Voraus treffen musste, um selbst enge Freunde ab und zu sehen zu können, läuft hier vieles wesentlich spontaner ab. 🙂

So wurde ich am Samstagvormittag darüber informiert, dass am selben Abend der 12. Geburtstag des Sohnes eines der Bewohner hier aus erster Ehe, der am Wochenende des Öfteren zu Besuch kommt, mit einer Disco gefeiert werden würde. Natürlich hatte ich kein Geschenk, und es wurde mir auch offeriert, dass wegen des am Wochenende stattfindenden Formel-1-Rennens kaum nach irgendwohin ein Durchkommen sein würde.

Ich kam aber durch, und da ich seit kurzem eine Backform besitze, beschloss ich, einen ersten brasilianisch-deutschen Apfelstreuselkuchen als Geburtstagsgeschenk in die Röhre zu schieben.

Die Party (auch der Kuchen) war ein voller Erfolg. 🙂 Wieder einmal war die ganze Familie da, und mehr und mehr fühle ich mich als Teil von ihr. Es ist hier so unkompliziert, einfach dazuzugehören.

Getanzt wurde bei Discolicht und Nebeldampf bis in die späte Nacht hinein, und Erwachsene wie Jugendliche wie Kinder bewegten sich gleichermaßen ungezwungen auf dem (Beton-)Parkett.

Obwohl ich mich eigentlich für Techno nicht so erwärmen kann, riss es mich doch irgendwie mit. Und zwei Leute „tanzten“ Capoeira, was mich unglaublich beeindruckte. Einen davon sprach ich an, es stellte sich heraus, dass er ein Meister ist. Ich möchte diese Kampf-Tanzkunst lernen. Ich glaube, darüber viel über die brasilianische Kultur zu erfahren. Über das brasilianische Blut, das längst schon mein Herz erreicht hat.

In einer Tanzpause wurde die Geburtstagstorte feierlich präsentiert, mit Applaus gewürdigt und verteilt (meine ist die kleine runde im Vordergrund… :)).

Doch der Tag begann nicht so fröhlich, wie er endete. Der Gedanke daran, dass „mein“ Chor, Vocallegro, sein erstes Weihnachtskonzert ohne mich geben würde, ließ mich schon am Vorabend in Wehmut verfallen. Ließ mich eine ebensolche Mail an die Jungs verfassen. (Dass ich an jenem Abend einen wunderbaren Wein in einem unglaublichen Sonderangebot ausfindig machen und mich damit fürs nächste halbe Jahr bevorraten konnte, tröstete mich jedoch ein wenig… ;))

Ich bin selbst überrascht, wie stark die Bande sind. Wie viel mir, ohne sie bewusst als solche wahrgenommen zu haben, die Traditionen, die wir gemeinsam lebten, bedeuten.

 

 

 

 

Angekommen

Nach vier Wochen in meiner neuen Behausung könnte man meinen, dass es nun an der Zeit wäre, mal etwas darüber zu berichten. Wer meine letzten Artikel gelesen hat, weiß, dass sich die Suche nach einer passenden Unterkunft nicht gerade einfach gestaltete. Zudem zeigt sich ja oft erst im Nachhinein, ob man die richtige Wahl getroffen hat. Doch, um es kurz zu machen: Ich habe es hier ausgesprochen gut getroffen!

Mein kleines Zwei-Zimmer-Häuschen, eigentlich mehr ein Annex, liegt auf dem Gartengrundstück einer brasilianischen Großfamilie, ganz in der Nähe der Schule. Auf dem recht großzügigen Gelände befinden sich insgesamt fünf Häuser: Die Eltern und die Familien dreier der insgesamt vier Söhne bewohnen jeweils eines, das letzte, ganz am Rand, ist an einen meiner Kollegen und seine Familie vermietet.

Und so sieht es bei mir aus:

Das ist der Küchen-/Wohnbereich von außen. Das Schlafzimmer schließt sich links an. Neben dem Palmenstamm rechts schimmert der Pool durch. 🙂
Und nun ein Blick nach innen:

offener Küchenbereich

Die leichten Spiegelungen kommen vom Fenster. In diesem Bereich gibt es zwei durchgängige Fensterfronten und im Schlafzimmer eine.

"Arbeitszimmer"

"Esszimmer"

Gleich um die Ecke liegt der schöne Pool. 🙂

Und hier merkte ich schnell, dass ich nicht nur geduldet, sondern willkommen bin. Während ich mich am Anfang recht schamhaft auf die rot-schwarzen Bänke am Rande verdrückte (man will ja, deutsch gedacht, niemanden stören oder sich aufdrängen), wurde ich schnell von der Dame des Hauses, die gerade auf einer Liege lag, aufgefordert, mir auch eine zu holen und mich dazuzulegen…

...so chillt es sich doch viel besser 🙂

Natürlich gehören zum Wohnen in einer Großfamilie, wie man sich denken kann, auch gewisse Verpflichtungen.

So bleibt es nicht aus, am gemeinsamen Churrasco teilzunehmen…

das ist Wilson, mein Vermieter 🙂

…mit den Kindern zusammen Buggy zu fahren…

(Hahaha, das war sooo lustig 😀 Wir waren zu fünft im Wohnviertel unterwegs – hier erlaubt. Diego, der am Steuer sitzt, ich auf dem Sitz daneben, das ältere Mädchen hinten stehend und die beiden kleineren Jungs rechts und links auf den Trittbrettern. Nur das ganz kleine Mädchen war nicht mit. Plötzlich kommen zwei Straßenköter, einer rechts, einer links, laut bellend an unsere Seite gelaufen, verfolgen uns und versuchen den Jungs in die Waden zu beißen. Wir haben so dermaßen gelacht 😀 Und dieselbe Runde gleich noch zweimal gedreht, weil’s so schön war.)

…oder Trampolin zu springen…

...man kann das Trampolin aber auch anders nutzen 🙂

Ziemlich viel Spaß macht es auch, auf meiner gerade gekauften Luftmatratze im Pool zu toben…

…oder einfach nur in der Hängematte „abzuhängen“…

Ich schäme mich fast noch zu berichten, dass ich von der Familie bereits zum Weihnachtsfest eingeladen bin … Und gestern zusammen mit 200 weiteren Gästen in einem feinen Hotel die Vermählung des vierten Sohns gefeiert habe…

So viel Gnade!

 

 

 

 

„Postkarte aus São Paulo“

Gleich die erste Postkarte, die ich hier geschrieben habe, wird am Samstag, 08.10. im „Hamburger Abendblatt“ abgedruckt. *hehe*

Ansonsten bin ich gerade in Umzugsvorbereitungen – ab heute wird gepackt und morgen ziehe ich in mein frisch renoviertes kleines Häuschen ein. 🙂

Tjaa, und dann sind hier ab nächster Woche auch endlich Ferien und bald folgt ein Reisebericht über Ubatuba, Paratí und Rio.

 

 

 

Lebenskonzepte

Wenn Menschen Türen und Zäune bauen, um ihre Freiheit zu bewahren, kann man das durchaus paradox nennen. Und eine Form sozialer Ausgrenzung. Wer hier Geld hat, lebt hinter hohen Mauern.

So gestaltete sich für mich eine wichtige Entscheidung, in deren Zeichen die letzten Wochen standen, nicht eben einfach. „Quo vadis, Arne?“ wäre vielleicht ein wenig zu dramatisch formuliert, dennoch ist die Suche nach und vor allem das Finden einer zukünftigen Bleibe ein wichtiger, ein vielleicht entscheidender Schritt. Umfeld und Ambiente prägen, strahlen zurück.

Wohnen ist hier, das kann man wirklich sagen, teuer. Nehmt die Mieten von Hamburg, schlagt 100% drauf, und ihr habt in etwa die Preise von São Paulo – und nicht immer etwas Schönes in schöner Gegend gefunden. Wer zudem ungern lange Arbeitswege in Kauf nimmt, hat nicht mehr die große Wahl.

Also, wohin? Auf jeden Fall raus aus der mich langsam einengenden Komfortabilität des „Gast-Seins“. Der von der Straße permanent heraufdringende Lärm und auch der Wind, der hier oben oft weht und die brasilianischen Fenster zum Klappern bringt, taten ihr Übriges. Bei allen Vorzügen, die diese Wohnung zu bieten hat.

Bei meiner Suche kristallisierten sich drei Optionen heraus. Jeder von ihnen sprach ich zu unterschiedlichen Zeiten die Favoritenrolle zu:

das Luxusambiente einer komplett und stylisch eingerichteten Designerwohnung einer deutschen Innenarchitektin, quasi ein Annex ihres eigenen Hauses auf einem kleineren Grundstück mit Pool;
das kleine möblierte Gartenhäuschen auf dem geräumigen Gartengrundstück einer brasilianischen Großfamilie, auch mit Pool;
oder das Leben am Rande der Favela Monte Azul in einer Wohnung dort, wo das Herz São Paulos schlägt.

Drei unterschiedliche Lebenskonzepte. Alle drei auf ihre Weise (für mich) interessant.

Naja, um es kurz zu machen, das Gartenhäuschen hat gewonnen!! Dort wohne ich ab Oktober unabhängig, aber doch mit Anschluss an eine total nette Familie, zudem mit einem Kollegen und seiner Familie gleich nebenan – und vor allem mit einem großen Garten (und aller Nutzungsfreiheit) in einem ruhigen Viertel nah bei der Schule. Also: Churrasco und Poolparty können steigen!! 🙂

Auf den folgenden Anblick muss dann jedoch wohl verzichtet werden…

Tchao und gute Nacht, Cidade Dutra. Und danke für alles.

 

 

 

 

Mein (neues) Zuhause

Nach einem Monat in São Paulo will ich nun mal beschreiben, wie ich hier wohne. Im 27. Stock, ganz oben, habe ich in der Penthouse-Wohnung einer sehr netten Deutschen ein Zimmer mit Bad.

Die Wohnung geht über zwei Stockwerke. Unten sind die Schlafräume sowie Küche und Wohn-/Esszimmer. Geht man dann eine Treppe herauf, landet man zwischen Bar und Schrank im oberen Wohnzimmer…

nur gucken, nicht anfassen!! 😉

Doch das Beste kommt erst noch: Von hier aus geht es nämlich zur Dachterrasse…

Nach ein paar Schritten steht man im Freien…

…und hat einen gigantischen Blick…

Doch der absolute Knaller ist der…

Pool!!

Der Sessel ist mein Lieblingsplatz…
…ja, so lässt es sich leben… 🙂

Doch nicht zu vergessen lebt nicht jeder in dieser Stadt so glücklich…

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Ab nach Brasilien

Es war noch recht früh – um 4.30 Uhr – als wir am Freitag am Flughafen eintrafen. Den Tag und die Nacht zuvor verbrachte ich noch mit Aufräumen, Packen, Saubermachen… was zur Folge hatte, dass ich fast den kompletten Flug verschlief… Am Flughafen warteten aber erst einmal meine Mutter, meine beiden Schwestern, Orkan und Imke trotz der frühen Stunde darauf, sich von mir zu verabschieden. Ossi, der mich mit meinen rund 80 kg Gepäck zum Flughafen brachte und vorher noch zwei Stunden mithalf, hatte sich schon vorher auf den Weg gemacht…

Nach rund 15 Std. Flug und zwei Std. Taxifahrt durch die Feierabendstaus von SP kam ich schließlich wohlbehalten im am südlichen Stadtrand gelegenen Cidade Dutra an, wo ich von meiner deutschen Vermieterin mit einem kräftigen Eintopf herzlich empfangen wurde (ich wohne im ganz rechten Gebäude ganz oben…). Es wird nämlich hier nachts empfindlich kalt. Heizungen gibt es nicht. An Zimmertemperaturen von 16° C muss ich mich erst einmal gewöhnen…

Und so sieht es aus, wenn ich aus dem Wohnzimmerfenster oder auch von der Dachterrasse schaue: Blick auf den Stausee Guarapiranga – und jeden Abend einen wunderschönen Sonnenuntergang! Die Sonne zieht hier ANDERS HERUM übers Firmament, der Kinderreim “…im Süden nimmt sie ihren Lauf…” ist hier wirklich auf den Kopf gestellt. Die Menschen aber stehen nicht auf dem Kopf, auch wenn’s auf der anderen Erdhalbkugel ist… 😉

Einen Pool gibt es – neben unserem kleinen privaten auf der Dachterrasse – natürlich auch, jedoch badet hier im Winter keiner der Einheimischen, da es ihnen trotz mittlerweile 26° C Tagestemperatur einfach zu kalt ist.