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Klassenreise auf brasilianisch

Seit einem knappen halben Jahr bin ich Klassenlehrer einer sehr netten sechsten Klasse. Eigentlich war ich noch gar nicht dran – aber einem Kollegen zum Dank, der kurz vor seiner Rückkehr nach Deutschland zu viel um die Ohren hatte und vor allem in dieser Zeit seine Ehefrau nicht allein in São Paulo lassen wollte, kam ich in den Genuss einer Klassenreise mit den 7. Klassen. In mein geliebtes Paraty! 🙂

Klassenreise auf brasilianisch. Das heißt, man muss sich als Lehrer quasi um nichts kümmern; alles wird bereits im Vorfeld von einer Reiseorganisation geregelt. Und auch der komplette Tagesablauf mit allen Unternehmungen, das Aufpassen nachts, einfach alles.

Mit zwei Reisebussen ging es an einem Montagmorgen Ende Mai frühmorgens los, sechs Stunden später landeten wir in einer gemütlichen Pousada, wo ich mein komfortables Einzelzimmer bezog. Zum Essen ging es in ein Restaurant und danach auf Stadterkundung.

Paraty besticht durch seine alten, gut erhaltenen Kolonialhäuser, die aus der Blütezeit der Stadt zurzeit der großen Goldfunde in Minas Gerais stammen. Das markante Kopfsteinpflaster „pé de moleque“ („Fuß des Straßenjungen“) wurde damals von Sklaven verlegt. Bei Flut werden Teile der Straßen mit Wasser überschwemmt, was in früheren Zeiten der Säuberung von Unrat diente.

Im Gegensatz zu meinem ersten Paraty-Aufenthalt (guckst du hier), hatten wir dieses Mal herrlichstes Wetter.

am Hafen

Nach einer ausführlichen Stadtführung durch einheimische Kräfte stärkten wir uns abends wieder im selben Lokal. Und dort war diesmal – und das sollte alle folgenden Abende so sein – eine Sängerin mit Pianist, die mit ihrer wunderbaren Stimme den Raum füllte. Die Schüler waren völlig losgelöst und sangen begeistert mit. Und spätestens als Adeles „Someone like you“ ertönte, hielt es niemanden mehr auf den Sitzen. Alle strömten vor die kleine Bühne, rissen die Arme hoch, sangen und tanzen, Mädchen wie Jungen. Für mich einer der emotionalsten Momente der Reise. Glücklich, dabei zu sein.

Someone like yooouu… 😀

Am nächsten Tag ging es in etwa andertalbstündiger Fahrt nach Paraty Mirim…

…und von dort aus mit kleinen Booten in den Saco de Mamanguá, den einzigen Fjord Brasiliens.

Dort lagen schon Kanus bereit, um die Mangrovenwälder zu erkunden.

Nach einigen theoretischen Einführungen in die Kunst des Kanufahrens ging es dann los…

…zunächst erfuhren wir einiges über die Kunst der Mangroven, im Salzwasser zu überleben…

…dann hieß es aussteigen und zu Fuß einen Fluss durchwaten…

…bis wir in ein kleines Dorf der Caiçaras kamen, einem Mischvolk aus Indios und Portugiesen, das sich hier angesiedelt hat und überwiegend von der Herstellung von Körben und Kunsthandwerk lebt.

Nach einem zünftigen Mittagessen und nachdem wir alle etwas über Holzschnitzarbeiten erfahren und selbst ein Miniatur-Holzboot angemalt hatten, ging es dann zu Fuß an Moorlandschaften vorbei…

…zurück zu den Booten und dem Sonnenuntergang entgegen…

Der dritte Tag bot mit dem Besuch des einzigen Atomkraftwerks Brasiliens einen krassen Gegensatz.

Das Schlimmste war eigentlich, dass der Mitarbeiter, der uns führte, der Atomkraft so dermaßen unkritisch gegenüberstand und auch die Lagerung des Atommülls und die damit verbundenen Probleme absolut verniedlichte. Aber das wurde durch die ständigen bohrenden Nachfragen und kritischen Bemerkungen unserer brasilianischen Lehrerin Irêne mehr als relativiert…

Nach dem wirklich anstrengenden und langen Tag ging es noch einmal in Paratys Altstadt, wo die Kinder für ein Dokumationsheft, das jeder im Laufe der Tage vervollständigte, ein Tuschebild malen sollten. Aufgrund des vorangegangenen Regens und der allgemeinen Erschöpfung war ich davon nicht sonderlich begeistert. Doch dieser Punkt stellte sich entgegen meinen Erwartungen noch einmal als absolutes Highlight heraus. Völlig vertieft lagen oder saßen fünfundsiebzig Kinder auf dem halbdunklen Markplatz am Boden und malten…

…während rings herum die Gebäude in sanftem Licht erstrahlten…

…und aus einem benachbarten Festzelt „Nothing else matters“ erklangt…

Am letzten Tag ging es noch in eine alte Cachaça-Fabrik (wichtiges Kulturgut ;)), ein Stück wandern auf dem alten, über 3000 km langen Indio-Pfad, der Paraty mit Minas verbindet und im 19. Jh. zu Goldtransporten benutzt wurde, und letztendlich baden in einem Wasserfall.

Eine rundum gelungene, gefüllte, glückliche Klassenreise. Die in Erinnerung bleiben wird. Und das Schöne ist: Im nächsten Schuljahr geht es mit meiner dann 7. Klasse noch einmal dorthin!!! 🙂

 

 

 

 

Zelten in Bertioga

An einem sonnigen Märzsamstag ging es frühmorgens los in Richtung Küste. Schon zwei Stunden später waren wir (Ingo, Julia aus Ingos WG und ich) in Bertioga angekommen, setzten wegen des vielen Gepäcks mit einem Motorboot zu unserer geliebten Prainha Branca über und ließen uns am Strand vor unserem Campingplatz absetzen. Schnell waren die Zelte aufgestellt…

…und dann konnten wir den fast menschenleeren Strand genießen!

Gegen Nachmittag trübte es sich ein, daher war am Abend in dem kleinen Örtchen mit ein paar Lokalen und Strandbars nicht mehr viel los.

Am nächsten Morgen aber schien die Sonne, und wir hatten wieder praktisch den ganzen Strand für uns!

Ein manchmal wirklich nötiger Kontrast zur 20-Millionen-Stadt!

 

 

 

 

Bahia – Sonne im Herzen

Eine wunderschöne Reise geht zuende – das war mein Gedanke, als ich am Tag vor dem Rückflug auf der Fähre von Itaparica nach Salvador saß und der Silhouette der Bundeshauptstadt näherkam. Und ich fragte mich, was ich aus meinem Koffer wohl retten würde, wenn das Schiff in diesem Augenblick unterginge. (Es ist ja immer gut einen Notfallplan zu haben, für den Fall der Fälle… ;)) Die Antwort war schnell gefunden: die SD-Karte aus meiner Kamera mit den über eintausend Aufnahmen! In ein Stück Plastiktüte eingewickelt unter die Zunge gesteckt den einen Kilometer an Land schwimmen. Das wäre zu schaffen. Alles andere ist ersetzbar. Nur diese Erinnerungen nicht.

Nun, die Fähre ging nicht unter – doch gehe ich lieber zum Anfang der Geschichte und lasse dabei die köstliche, von Janaína gemachte Paella, die es am 1. Weihnachtsfeiertag gab, nicht unerwähnt… 🙂

Nicht ganz so nach meinem Geschmack waren allerdings die Wetteraussichten. Es hatte eh schon seit Wochen fast ununterbrochen geregnet, und sowohl für São Paulo als auch für mein ursprüngliches Reiseziel Santa Catarina, den nächsten Bundesstaat in Richtung Süden, waren auch die weiteren Prognosen besch… äh, katastrophal (in etwa vergleichbar mit dem Hamburger Sommer 2011… ;)). Also hieß es schnell die Pläne ändern. In den Norden hinauf bis über Rio hinaus nur Wolkenfelder. So musste es Bahia sein! Das Bundesland mit Sonnengarantie und dem größten Anteil (75%) schwarzer Bevölkerung. Stolze, liebenswürdige, anmutige, aufrechte Menschen. Doch das wusste ich bis dahin noch nicht. Ich wusste nur: raus aus Nass und Wolkengrau!! Einen Tag später war der Flug gebucht!

Salvador

Schon am 29.12. saß ich im Flieger und kam gegen Mittag in Bahias Hauptstadt an. 30° C. Sonne. Hotel direkt am Meer. Baden. Dann die erste Fahrt mit dem Bus ins historische Zentrum, Pelourinho. Dort in Pelourinho, zu deutsch Pranger, lag der Teil des Sklavenmarktes, an dem Sklaven zur Strafe oder zur Machtdemonstration ausgepeitscht wurden. Der größte Teil der über fünf Millionen (!) Schwarzafrikaner, die in der Kolonialzeit verschleppt wurden, landeten in Salvador auf eben diesem Platz. Pelourinho war aber auch über Jahrhunderte Aristokratenviertel, in dem viele barocke Gebäude und sehr viele Kirchen entstanden. Heute gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am Abend wollte ich an der Straße nur nach einer günstigen lanchonete fragen und traf dabei auf eine Frau, die mir bei der Gelegenheit erzählte, dass sie privat ein Zimmer zu vermieten hätte. Nicht nur, dass wir es gleich anschauten, ich bekam dazu auch noch eine warme Suppe. 🙂 Und zog am nächsten Morgen von dem etwas unwirtlichen Hotelzimmer in die weitaus luxuriöseren Gemächer meiner neuen brasilianischen Familie.

Gisele und Igor

Ab jetzt hatte ich zwei Bodyguards, und so fühlte ich mich beim zweiten Gang nach Pelourinho noch sicherer. 🙂

Alberto und Márcio

Natürlich durfte eine Fahrt mit dem berühmten Elevador Lacerda, dem Fahrstuhl, der Ober- und Unterstadt miteinander verbindet, nicht fehlen.

Wir kamen vom unteren Hafenbereich und fuhren in die Oberstadt…

Igreja da Nossa Senhora do Rosário dos Pretos

Dort trafen wir unter anderem auf die Igreja dos Pretos, die zwischen 1704 und 1781 von Sklaven und Freigelassenen in Nachtarbeit erbaut wurde und den einzige Ort bildete, an dem diese ihren heimischen religiösen Traditionen (Candomblé) nachgehen konnten.

Fast den ganzen Nachmittag saßen wir am Largo do Terreiro de Jesús…

…und sahen den Capoeira-Tänzern zu. (Bitte etwas Geduld beim Laden…)

Zwischendurch kam noch ein Karnevals-Zug vorbei…

…und dann senkte sich langsam die Nacht herab…

Insgesamt verlebte ich sehr schöne Tage bei der Familie. Der einzige große Wermutstropfen war, dass mein geplanter Besuch der Silvesterfeier im Szeneviertel Barra mit Livemusik, Riesenfeuerwerk und einer halben Million Besuchern erst mit deutlicher Verspätung zustande kam. Ich verließ mich zu sehr auf Márcio und einen seiner Freunde. Diese hatten aber offenbar ganz andere Pläne, und, ohne mich darüber zu informieren, landeten wir bei einer total langweiligen Feier, sodass ich absolut gallig wurde und in dieser Stimmung ins neue Jahr ging. Die Laune besserte sich erst, als ich weit nach Mitternacht in Barra eintraf, dort durch die Menge schlenderte und noch so viel erlebte, dass ich vor Morgengrauen nicht nach Hause kam. Márcio hatte ein schlechtes Gewissen und servierte mir später ein opulentes Frühstück in der Hängematte…

Am Neujahrsnachmittag ging ich noch zur Aufführung der berühmten Trommelgruppe Olodum, die unter anderem in Michael Jacksons in Pelourinho gedrehtem Musikvideo „They don’t care about us“ zu sehen und zu hören ist.

Am nächsten Tag dann war schon der recht traurige Abschied. Mein zweites Reiseziel wartete, die vor Salvador liegende Insel Itaparica.

Abschieds-Familienfoto

Itaparica

Mit der Fähre in einer guten halben Stunde von Salvador aus zu erreichen ist die Insel Ferienziel für viele Südbrasilianer. Meine dortige Pousada verdiente zu Recht den Namenszusatz „Tropical“, denn sie lag mitten im Regenwald. Der Besitzer, ein Franzose, war in jungen Jahren nach einem ‚Sabbatjahr‘, das in Frankreich jedem Arbeitnehmer zusteht (nicht nur Lehrern…) in Brasilien hängengeblieben und erwarb für umgerechnet 100 Dollar ein Stück Land, von dem er noch nicht einmal wusste, wo es genau lag. Er fand es auf Itaparica, lebte dort erst einige Zeit, baute es dann nach und nach zu einer Pousada aus, kaufte noch Land dazu, kann mittlerweile gut 15 Gäste beherbergen und wird wegen seiner urigen Lage von den gängigen Südamerika-Reiseführern empfohlen.

Wohnen im Urwald...

Von der Insel selbst war ich jedoch etwas enttäuscht, da die Strände nicht sonderlich attraktiv waren und das Wasser flach, zu warm und ohne Wellen.

Zudem saßen im nächsten erreichbaren Örtchen die Brasilianer Bier trinkend auf Plastikstühlen an den Straßen, während laute Musik aus geöffneten Kofferraumklappen dröhnte…

Trotzdem genoss ich nach dem Trubel in Salvador die Ruhe und Abgeschiedenheit der Pousada, machte lange Strandspaziergänge und entdeckte an der anderen Inselspitze das sehr gepflegte, gediegene und mit historischen Gebäuden gut erhaltene Örtchen Itaparica, völlig konträr zu meinen ersten Eindrücken.

Drei Tage genügten, um die Insel zu erkunden. Ein bisschen mehr Action konnte ich schon vertragen, und so machte ich mich mit dem Bus auf den Weg an die Kakaoküste, in das 250 km südlich gelegene Itacaré. Es gab noch viel zu erleben.

Itacaré – Casa do Miguel

Das zauberhafte Itacaré und das Haus von Miguel – für mich untrennbar miteinander verbunden. Wäre ich in einer der Pousadas im Inneren des kleinen ehemaligen Fischerörtchens mit rund achtzehntausend Einwohnern gelandet, an der Touristenmeile, die fast nur aus Restaurants, Bars, Surfschulen und Unterkünften besteht (aber trotzdem noch nett und überschaubar ist), wäre ich sicher nicht so lange geblieben. Miguels Haus aber liegt in Portodetrás, am hinteren Hafen, und damit in einem der ältesten und ursprünglichsten Bereiche der Stadt.

Dass ich überhaupt noch Platz in der eigentlich komplett ausgebuchten Surfmetropole fand, hatte ich dem Umstand zu verdanken, dass am letzten geplanten Tag auf Itaparica in der Urwaldpousada das Internet ausfiel. So verband ich meinen Besuch des gleichnamigen Inselörtchens mit einem Gang ins dortige Internetcafé. Und offenbar zeigte mir das brasilianische Google andere Ergebnisse an als mein deutsches; Miguels Zimmer zu für die Hochsaison ungewöhnlich günstigen Konditionen würde gerade am nächsten Tag frei werden! Watt’n Glück! Ich also heimgekehrt, angerufen, auf Portugiesisch die Reservierung klargemacht. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass Miguel eigentlich Schweizer ist, und wir konnten die Unterhaltung auf Deutsch fortführen. Da war die Freude natürlich umso größer!

Casa do Miguel

Blick von meinem Balkon

Miguel mit Max

Miguel, erst 32, kam vor einigen Jahren nach Brasilien, arbeitete eine Zeitlang als Surflehrer, hat dann mit seiner einheimischen Frau das Haus gebaut und lebt jetzt von der Vermietung zweier schöner Zimmer und von gelegentlichen Malerarbeiten.

Nachdem nach meiner Ankunft die ersten Begrüßungsbiere getrunken waren, machte ich mich auf den Weg nach Pituba, dem Zentrum Itacarés, eine knappe Viertelstunde zu Fuß entfernt. Dort fand zur besagten Zeit das „Festival do Verão“ statt, und an jenem Tag sollte es ein Reggaekonzert mit einer berühmten Gruppe aus São Paulo geben. Schon beim Warten vor dem Eingang der Konzerthalle waren nicht nur die vielen Typen im Rasta-Look, sondern auch der süßlich-schwere Duft, der über allem hing, bemerkenswert. 😉 Das Konzert selbst war ziemlich gut, doch der schnellere Samba-Rhythmus liegt mir persönlich mehr.

Den nächsten Tag nutzte ich dazu, die schönen Buchten Itacarés kennenzulernen, die, etwas untypisch für den nördlichen Teil Brasiliens, eher klein sind und durch Felsabschnitte voneinander getrennt.

Praia da Concha

Praia do Resende

Praia da Tiririca

Praia da Costa

Praia da Ribeira

Welche ist nun eigentlich die schönste? 🙂

Am späten Nachmittag saß ich dann noch mit Miguel in Portodetrás in der Hafenbar von „Bob Marley“, wo sich die Fischer treffen, um Bier zu trinken und Domino zu spielen.

Bobs Hafenpinte

Schnell kamen wir mit den Fischern, mit denen Miguel gut befreundet ist, ins Gespräch und sie luden mich ein, am nächsten Morgen um fünf mit ihnen in ihren Holzbooten herauszufahren und fischen zu gehen. Ich war begeistert!

Und auch an diesem Abend gab es wieder eine kleine Attraktion, die „Festa do Bicho“. Zu Anfang versammelten sich die Bewohner von Portodetrás auf der Straße und begannen zum Rhythmus von Trommeln zu tanzen.

Dann öffnete sich plötzlich die Runde und ein Teufel sowie zwei Untiere kamen zum Vorschein, die sich umkreisten und bekämpften.

Nach einiger Zeit setzte sich der Zug in Richtung Pituba in Bewegung.

Alle paar Minuten wurde gestoppt und der Tanz der Unwesen setzte sich fort, bis, nach rund einer Stunde wieder in Portodetrás angekommen, sie sich letztendlich gegenseitig auslöschten, unter Jubel und Beifall der umstehenden Menge.

Am nächsten Morgen stellte ich mir den Wecker auf halb fünf, duschte und rasierte mich und war um kurz vor fünf gespannt und bereit zum Aufbruch. Wartete auf das Klopfen an meiner Zimmertür. Ging zum Hafen, um nachzuschauen, ob dort schon jemand wäre. Wieder ins Zimmer zurück. Wieder auf die Straße zum Hafen. –

Gegen halb sechs entstand dann dieses Verzweiflungsbild…

einsame Straße am Morgen...

… und ich legte mich wieder schlafen…

Miguel lachte sich kaputt, als er die Geschichte hörte: noch früher aufstehen, duschen und rasieren, wenn man zum Fischen fährt – typisch deutsch eben… Später stellte sich heraus, dass die Männer am Abend zuvor so viel Bier getrunken hatten, dass sie nicht mehr loskamen… 😉

Den zweiten Tag nutzte ich, um eine etwas abgelegenere Bucht, Prainha, kennenzulernen, die zu den zehn schönsten Buchten Brasiliens gekürt wurde. Schon der ab Praia da Ribeira noch vierzigminütige Fußweg dorthin ließ sich sehen. Zunächst jedoch nicht…

Weg?

Sich von einem Guide dort hinführen lassen – tzzz… 😉

Natürlich musste engelchen auch noch ein bisschen auf der stillgelegten Hängebrücke rumturnen, die zu einem früheren Waldpfad gehörte…

Nach längerer Zeit der Wanderung führte der letztendlich gefundene Weg an die Küste und die Sicht wurde frei…

Und schließlich war auch die schöne Bucht erreicht – Melone und Agua de Coco löschten den Durst…

Prainha

Nach ausgiebigem (Sonnen-)Baden musste nur die ganze Strecke wieder zurückgegangen werden… In Pituba dann entstand dieses Foto…

Hippies in Itacaré

…das auch seine eigene Geschichte hat. Als ich an den Straßenhändlern vorbeiging, dachte ich, ich müsse doch mal zeigen, wie viele Hippies es in dieser kleinen Stadt gibt. Also kehrte ich um fragte sie höflicherweise, ob ich ein Foto machen dürfe. Erst war der Preis ein Real, dann ein Bier, dann ein Wein, alles aber immer in scherzhaftem Ton, von beiden Seiten. Schließlich zog ich mit dem bärtigen Alten los, und als es kein kaltes Bier im Laden gab, kauften wir billigen Wein, Brötchen, Käse. Die Freude war groß und es wurde zusammen geschmaust. Mit einem Freundschaftsband aus Leder und einem kleinen Fotohalter aus Draht mit meinem geformtem Namen ging ich erfüllten Herzens nach Hause. Wieder eine besondere Begegnung.

"Es war als hätt' der Himmel die Erde still geküsst..."

Itacaré ♥

Für den Sonntagmorgen hatten die Fischer das Säubern des Zugangs zum hinteren Hafen geplant, und ich versprach mitzumachen. Danach sollte es Feijoada für alle in Bobs Pinte geben.

Portodetrás (bei Ebbe)

Wie in Brasilien üblich lag auch hier viel Müll herum, der sich langsam mit von der Zugangstreppe geschaufeltem Sand und Unkraut vermengte. Für mich völlig inakzeptabel. Genauso wie der Vorschlag, das Ganze später zu verbrennen. Nach einigem Hin und Her schritt ich zur Tat und ging zum nächsten Laden, um Müllsäcke zu organisieren. Auf dem Weg fiel mir eine Aktion ein, die ich schon mal für den kleinen, aber leider auch ziemlich vermüllten Strand, der „Praia do Sol“ an unserem nahegelegenen Stausee in Interlagos, São Paulo, geplant hatte.

Auf dem Rückweg verkündigte ich den umstehenden Kindern, dass ich für jeden gesammelten 100-l-Sack Müll einen Real auslobe (ca. 45 Cent). Und plötzlich waren überall kleine eifrige Helfer zugange, die den Hafenbereich, die Grünfläche und auch die Straßen von achtlos weggeworfenem Unrat säuberten.

Ich konnte gar nicht so schnell Säcke nachkaufen, wie die Kinder sammelten. Zum Glück bekam ich beim zweiten Einkauf auch noch Scheine in Kleingeld getauscht. Insgesamt waren bei der Aktion 14 Kinder beteiligt. 45 Müllsäcke wurden gefüllt.

...ein Haufen Müll...

Da schmeckte die Feijoada gleich doppelt gut!

Dem etwas lauteren Gespräch meiner französischen Nachbarn bei ihrer frühmorgendlichen Abreise ist es zu verdanken, dass noch Bilder vom Sonnenaufgang an der Praia do Resende entstanden. Denn so ganz freiwillig hätte ich mich um halb sechs nicht mehr unbedingt auf den Weg gemacht…

Schon rückte der vorerst letzte Tag an, für den ich mir noch etwas besonderes vorgenommen hatte: eine Rafting-Tour auf dem nahegelegenen Rio de Contas!

Morgens ging es eine gute halbe Stunde mit dem Auto durch tropischen Regenwald und Kokosplantagen, bis wir an den Fluss gelangten.

Rio de Contas

Sieht doch eigentlich ganz harmlos aus… 😉

Gut ausgerüstet mit Helm und Schwimmweste ging es dann an den Start…

...noch kann man lachen...

…doch erst einmal mussten die nicht ganz federleichten Boote zu Wasser gelassen werden…

Nach einer Einführung in die nötigen Techniken ging es dann los zur ersten Stromschnelle…

Anpaddeln...

...und dann rein...

...ins...

...Vergnügen...

...und gleich...

...nochmal...

...usw...

...usf...

ganamos!! 🙂

Ein wirklich schöner Reiseabschnitt geht zuende. Doch ich komme wieder, Itacaré, bald. Jetzt aber wartet das nächste große Abenteuer auf mich: die Chapada Diamantina im Herzen Bahias.

Chapada Diamantina

Bereits die Planung der Anfahrt zum ehemaligen großen Diamantensuchergebiet und heutigem Nationalpark mit Canyons, Wasserfällen, Grotten und Höhlen in einer bezaubernden Landschaft stellte eine Herausforderung dar. Der Bus von Salvador nach Lençois, einem kleinen Kolonialstädtchen am Rande der Chapada, galt als häufig ausgebucht. Online ließen sich zwar Tickets kaufen, aber nur mit einer einzigen Kreditkarte – nicht mit meiner. Auch Anrufe beim Busunternehmen halfen nichts. Schließlich war NasAlturas, die Agentur, mit der ich die siebentägige Tour durch die Chapada starten würde, so freundlich und ließ das Ticket für mich am Busschalter hinterlegen. Puh.

Dass ich überhaupt, bei meinen nur zwei Tagen Vorbereitungszeit für die spontane Reise in die Sonne, in der Chapada landete, verdanke ich den wunderbaren Fotos auf der Website und der schnellen und unkomplizierten Unterstützung des deutschen Fotografen Karsten Rau (einen Link zu seinen Bildern gibt es am Ende des Artikels), der mir nicht nur dazu riet, eine längere Tour zu machen, sondern auch eine Agentur empfahl und einige Punkte, die ich auf keinen Fall auslassen sollte. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, Karsten!

Nun saß ich also wieder im Bus zurück nach Itaparica, von dort aus musste ich die Fähre nach Salvador nehmen, dann zum Busbahnhof und dort meine Reise nach Lençois fortsetzen.

Es fing damit an, dass der Bus erst mit Verspätung aus Itacaré losfuhr. So kam ich eine halbe Stunde später als geplant auf Itaparica an und die Fähre war gerade weg. Na gut, mit der nächsten, eine Stunde später, würde es auch noch gehen. Diese startete jedoch mit deutlicher Verspätung, wartete nach dem Ablegen noch auf das Passieren der entgegenkommenden Fähre und kam kolossale 30 Minuten später in Salvador an als geplant. Inzwischen war es 16.15 Uhr geworden. Mein Bus fuhr um 16.30 Uhr. Ich flog also sozusagen, meinen Rollkoffer hinter mir herziehend, die Rampe vom Schiff hinunter und musste dabei doch breit grinsen, da ich wusste, welch für Brasilien ungewöhnliches Bild ich abgab. 🙂 Ins Taxi gesprungen und zum Busbahnhof. Natürlich war jetzt schon Berufsverkehr. Der Fahrer gab alles und um zehn nach halb war ich am Terminal. Jetzt nur noch den Schalter des Busunternehmens finden. Er lag im ersten Stock. Völlig abgehetzt erfuhr ich dort, dass der Bus schon weg war. Es würde aber zum Glück noch einer in der Nacht fahren und ich konnte das Ticket tauschen.

Schicksalsergeben gab ich meine Koffer auf, aß eine Portion Acarajé und schlenderte zum nahe gelegenen Einkaufszentrum. Im obersten Stockwerk entdeckte ich ein Kino, dort gab es Mission Impossible 4. Aber zunächst musste NasAlturas informiert werden, denn sie würden mich in Lençois vom Bus abholen. Also wieder nach unten und raus, um in Ruhe zu telefonieren. Als ich dann in einer der recht langen Schlangen am Kinoschalter stand (es war gerade Kinotag), war auf der Anzeigetafel bald zu erkennen, dass die gleich beginnende Vorstellung bereits ausgebucht war. Es gab aber eine etwas spätere, die auch noch gerade passen würde. Ich wechselte schnell die Schlange, weil es bei meiner nicht mehr weiterging. Doch das stellte sich als Fehler heraus, denn jetzt stockte es in der neuen. Als noch etwa fünf Leute vor mir waren, war auch die zweite Vorstellung ausgebucht!

So viel Pech an einem Tag, das kann doch wohl nicht wahr sein! Schon morgens hatte mein Handy „Freitag, der 13.“ angezeigt, obwohl es erst Mittwoch, der 11. war; ich malte mir aus, was wohl an diesem Tag noch passieren würde… kehrte ins Busterminal zurück und setzte mich ins Internetcafé.

Dort stellte ich fest, dass ein Freund mich schon mehrfach versucht hatte über Skype zu erreichen. Wir telefonierten eine Stunde lang. Ich erfuhr, dass er sich in einer extrem schwierigen Situation befand und konnte ihm hoffentlich ein bisschen mit Rat und Beistand zur Seite stehen.

Als ich schließlich erschöpft im Bus nach Lençois saß, wurde mir langsam bewusst, wie deutlich Gottes Hand an diesem Tag spürbar war. Wäre auch nur ein einziges, ein einziges der vielen kleinen Missgeschicke nicht passiert – das Telefonat hätte nie stattgefunden. Alles für dies eine Gespräch.

1. Tag: Lençois und Umgebung

Lençois – ein malerisches Kolonialstädtchen mit kleinen, kopfsteingepflasterten Gässchen und viel Charme.

Marktplatz

Gässchen zur Pousada

Meine etwas abgelegene Pousada stellte sich als echter Glücksgriff heraus. Nicht nur schlief ich die Nächte dort, trotz Mehrbettzimmer, so gut wie auf der ganzen Reise noch nicht, es gab auch noch das allerbeste Frühstück. 🙂

Pousada dos Duendes

Am Nachmittag startete die erste Wanderung, angenehm nur zu zweit mit Guide. Sie führte uns aus Lençois heraus zunächst in ein Steinlabyrinth…

Salão das Areias Coloridas

…dann ging es über einen kleinen Pfad zum Poço Halley…

…und nach Überquerung des Rio Serraneo…

…eine Klettertour hinauf zu einem kleinen Wasserfall…

Cachoeira Primavera

…der zu einem erfrischenden Duschbad einlud. 🙂

Den „Gipfel“ der Tour bildete das Erklimmen des „Mirante de Lençois“, von dem aus wir einen schönen Blick auf die kleine Stadt genießen konnten.

Blick auf Lençois

Wieder zurückgekehrt, hatten sich die kleinen Gässchen mit Leben gefüllt, überall waren Tische und Stühle aufgebaut, an denen gegessen, getrunken und gefeiert wurde. 🙂

 

2. Tag: Gruta da Pratinha, Gruta Azul, Gruta da Lapa Doce, Morro do Pai Inácio

Bei wolkenverhangenem Himmel und einsetzendem Nieselregen ging es mit dem Geländewagen eine gute Stunde über Landstraßen und dann noch eine halbe Stunde Offroad. Ziel war die Gruta da Pratinha mit ihrem türkisblauem Wasser.

Hier wurden wir mit Flossen, Taucherbrille, Schnorchel und einer kleinen Taschenlampe ausgestattet und begaben uns schwimmend ca. 100 m in die nachtschwarze Höhle hinein – mit einem ortskundigen Führer. Mitten in der Grotte knipsten wir die Lampen aus. In absoluter Dunkelheit hörte man nur das leichte Glucksen des Wassers an den Felswänden. Beeindruckend.

Nach einer kleinen Ruhepause am benachbarten See ging es schon zu Fuß weiter zur nächsten Attraktion, der Gruta Azul.

Eingang zur Blauen Grotte

Hier hatte das Wasser ein noch intensiveres Blau…

Blick aus der Grotte

Mit dem Jeep ging es dann ein Stück weiter über Sandwege bis zum Eingangsgebiet der Gruta de Lapa Doce, wo wir zu Mittag aßen. Wiederum unter Begleitung einer ortskundigen Führerin betraten wir nun das weitläufige Gelände und stiegen ein bizarres Steinmassiv hinunter…

…bis wir zum beeindruckenden Eingangsbereich der Gruta de Lapa Doce kamen…

…wie groß die Höhle ist, sieht man nur an den kleinen Ameisen-Menschen…

Wieder ausgestattet mit Taschenlampen, ging es nun hinein in die absolute Dunkelheit unter den Felsmassiven. Stalagmiten und Stalaktiten wachsen hier in Ruhe seit Millionen von Jahren…

…1 mm pro Jahr! Wir durchwanderten die Grotte eine Stunde lang in ehrfürchtiger Stille.

Nachdem wir schließlich das Tageslicht wieder erblickten, unendlich viele Felsenstufen nach oben kraxelten und sich Erschöpfung breitmachte, ging es vor der Rückkehr nach Lençois – mittlerweile war es Nachmittag geworden – weiter im Jeep zur letzten Tagesstation, dem Hochplateau des Morro do Pai Inácio mit seinem weitläufigen Blick auf die Landschaft der Chapada…

…den manche auf ihre ganz besondere Weise genossen… 😉

 3. Tag: Cachoeira da Fumaça

Nach der vorerst letzten Nacht in Lençois ging es mit einem recht großen und alten Jeep ins Vale do Capão, von dem aus unsere Wandertour zum Cachoeira da Fumaça startete. Natürlich war zunächst einmal wieder ein ordentlicher Aufstieg zu bewältigen…

Aufstieg...

…der aber auch – wenn man noch die Kraft hatte, nach rechts, links oder vorn zu schauen…

...Blick aufs Vale do Capão...

… schöne Ausblicke auf die Landschaft bot…

Weg zum Wasserfall I

Weg zum Wasserfall II

Nach gefühlten drei Stunden kamen wir endlich auf einem Hochplateau über dem Cachoeira an. Und spätestens hier zeigte sich, warum er den Namen „Rauch-Wasserfall“ trägt: der Strahl ist so fein und dünn…

Cachoeira de Fumaça

…dass er von den im Tal entstehenden Aufwinden…

…einfach wieder nach oben gedrückt wird! Sozusagen ein Wasser-Steig. Trotzdem scheinen 380 m weiter unten noch ein paar Tropfen anzukommen…

Blick in die Tiefe

…wovon ich mich mit abgrundtiefem Blick natürlich selbst überzeugen musste…

 

nur Fliegen ist schöner...

Auf dem Rückweg wartete noch eine besondere Überraschung auf uns…

Hier bahnt sie sich schon an!

da braut sich was zusammen...

Und tatsächlich kam in unglaublicher Geschwindigkeit ein Regengebiet auf uns zugerast, dass alle und alles bis auf Haut und Knochen durchnässte. Zum Glück waren wir nicht mehr sooo weit vom Fahrzeug entfernt. Und trotz Müdigkeit ging der Abstieg plötzlich ganz schnell, selbst für einen Reisekollegen, der sonst immer der letzte war. Wir konnten froh sein, dass unser Toyota-Jeep Baujahr 1986 mit Mercedes-Motor uns heil und sicher durch das Schlammfeld bringen konnte, das vor dem Regenfall mal eine Straße war.

Sieht harmlos aus?!? Die ersten Fahrzeuge und Motorradfahrer straucheln…

…und auch so mancher LKW blieb auf der Strecke!

In der Pousada angekommen wurde ich in ein echtes Luxuszimmer geführt und wollte gerade begeistert unter die Dusche springen, als der Portier an die Tür klopfte und offerierte, dass die Räumlichkeiten vertauscht worden seien. So musste ich mit meinem Gepäck wieder umziehen – und landete in einem echten Holzklasse-Zimmer (nun ja, ich hatte Holzklasse gebucht – als einziger aus der Gruppe…). Aber eine Pizza in der vermutlich besten Pizzeria der Chapada in Vila do Capão, die man noch selbst mit Sojasauce und einem mit getrockneten Chilischoten versetzten Honig verfeinern konnte, tröstete über die Lage hinweg. Gute Nacht!

4. Tag: Trilha Capão – Guiné

Dieser Abschnitt der Abenteuertour, eine 18 km lange Wanderung durch das Vale do Capão, war für mich der schönste. Allerdings nicht von Anfang an, denn zunächst verhinderten Nieselregen und niedrige Temperaturen echte Freudengefühle.

Matsch-Weg

...durch den Monsun...

erste Licht-Blicke

Man begegnete auch manch seltsamem Getier…

Riesen-Grille

Als wir gegen Mittag an einem kleinen See Rast machten, schien schon wieder die Sonne – und gegen ein Bad war nichts mehr einzuwenden!

Rast am See

unser kleines Wanderteam...

Mit einem Picknick gestärkt ging es weiter – und nachdem sich die Wolken weitgehend verzogen hatten, wurde der Blick frei auf die wunderbare Landschaft.

Einen gefilmten Rundblick gibt es hier (Geduld, Geduld!).  Nach Überquerung eines Flüsschens…

…und einem nochmaligen Aufstieg ging es dann wieder abwärts…

…mit nicht minder schönen Ausblicken…

Angekommen! 18 km gewandert, geklettert, genossen! Die Bilder, in Sekunden betrachtet, können diese Eindrücke nicht wirklich wiedergeben.

Doch noch war unser neues Ziel, Mucugê, nicht erreicht. Mit dem Wagen ging es nun über in der Abendsonne liegende Straßen.

Mucugê zeigte sich als kleines, schön gestaltetes, leicht verschlafenes Örtchen mit rund 14.000 Einwohnern und kopfsteingepflasterten Straßen. Diesmal hatte ich mit meiner Pousada wirklich Glück: ein total gemütliches, großes Zimmer in einem schönen Ambiente!

Blick aus dem Zimmer in Mucugê

5. Tag: Cachoeira do Buracão

Nach einer längeren morgendlichen Fahrt durch die schöne Berglandschaft der Chapada Diamantina…

…setzten wir unseren Weg zu Fuß am Lauf eines kleinen Flusses, des Rio Espalhado, fort.

Schon zeigte sich der erste kleine Wasserfall…

…doch bis wir zur Hauptattraktion kamen, waren noch Hürden zu überwinden.

hauptsache schwindelfrei...

Beim Hinabsteigen in den Canyon kamen wir am beeindruckenden Cachoeira das Orchídeas vorbei.

Und nach mittlerweile gewohntem Kraxeln über Gesteinsbrocken…

…zeigte sich endlich der Canyon vor uns! Seine wahre Schönheit aber…

ließ sich erst beim Blick um die Ecke entdecken!

Und hier hieß es im wahrsten Sinne des Wortes „einen Blick riskieren“!!
Denn diese Sicht eröffnete sich nur von der Brücke aus…

Wenn ein Schritt danebengeht...

...adios, carinho 😉

Dann hieß es tatsächlich in die Fluten springen, denn der einfachste Weg zum Cachoeira do Buracão führte übers Wasser.

Nein, ich bin nicht von der Brücke gefallen!! 😛

Und so erreichten wir ein weites Becken, in das am gegenüberliegenden Rand der beeindruckende Wasserfall stürzte. Natürlich reichte es nicht aus, ihn von Ferne zu betrachten. Wir schwammen bis zu seinem Rand…

…und kletterten auf die Felsen…

…denn wir wollten ja hinter den Wasserfall!

Das ging nur, wenn man auf den glitschigen Gesteinsstufen Stück für Stück zur Seite rutschte.
Hinter den Fluten verweilten wir eine Zeitlang und genossen das Brausen um und über uns. Der Weg zurück sollte duch die weiße Wand gehen. Alle anderen machten einen Fußsprung durch das herabstürzende Wasser. Nur ich musste mal wieder etwas besonderes ausprobieren und machte einen Köpfer. Dabei hatte ich nicht damit gerechnet, dass der Druck der Wassermassen sofort meinen eintauchenden Kopf nach unten drücken, die Füße den Halt verlieren und ich quasi senkrecht ins Wasser schießen würde, wobei ich unter der Oberfläche, zu meinem großen Glück, nur ganz leicht den Felsen touchierte, ohne mich zu verletzen. Hmm, vielleicht doch etwas zu viel des Übermuts…

Nach einer Ruhepause ging es bzw. schwamm es durch den schönen Canyon zurück. Einige kraxelten sogar über die Felsen und mussten dann die kleine Hängebrücke überqueren. Ich zog den Wasserweg vor und erkundete den Fluss noch ein Stück in die andere Richtung.

Nach einem Picknick machten wir uns auf den Rückweg…

"über Stock und über Stein...Rirarutsch..."

…auf dem wir den Wasserfall noch einmal von oben betrachten konnten.

Cachoeira do Buracão: Ein wunderbarer und erlebnisreicher Tag und einer der Höhepunkte der Tour!

6. Tag: Cachoeira das Três Barras

Nach einer weiteren Nacht im schönen Mucugê mussten wir diesmal nur ein kurzes Stück mit dem Jeep fahren, um dann unseren Weg weiter zu Fuß zurückzulegen. Diesmal ging es durch eine eher karg bewachsene Busch- und Graslandschaft.

Der überaus anstrengende dreistündige Marsch führte nicht nur Berge hinunter und hinauf, einen großen Teil der Strecke liefen bzw. kraxelten wir im oder am Flussbett des Rio Piaba über zum Teil rutschige Felsen.

Diese Wanderung war mit Abstand die anstrengendste der ganzen Tour. Wäre ja nicht so schlimm, wenn das Ziel der Mühe wert gewesen wäre. Was sich uns aber am Ende zeigte, war eher ein dünnes Strählchen an einem von kargen Felsen umgebenen See…

Dennoch genossen wir es sehr, uns in der Sonne auszuruhen und ein Bad im kühlenden Nass zu nehmen. Bevor wir die mühsame Strecke wieder zurückgehen mussten. Doch der Weg ist das Ziel!

Ziemlich erschöpft kamen wir nach einem kurzen Zwischenstopp in Mucugê erst bei untergehender Sonne im kleinen und bezaubernden Igatu an, einem 380-Seelen-Dorf in historischer Steinbauweise, das in den ersten Stunden der Diamantensuchzeit im 19. Jahrhundert entstanden ist und in seiner Blütezeit 9000 Bewohner beherbergte.

Nach einem köstlichen Abendessen in einem hübschen Restaurant verbrachte ich die letzte Nacht unserer Tour wieder in einer wirklich bezaubernden Pousada. Glück gehabt! 🙂

Weg zur Pousada

Blick von der Terrasse

7. Tag: Poço Encantado und Poço Azul

Vor unserer Rückkehr nach Lençois und damit dem Ende der Tour besuchten wir noch zwei sehr attraktive Höhlen.

"Bei die Arbeit..."

Abstieg in die Höhle

Der 60 m tiefe Poço Encantado wird von April bis September durch einen eintretenden Lichtstrahl bis in seine Untiefen erhellt. Für dieses Januar-Foto musste meine Kamera jedoch alles hergeben – es entstand mit zehn Sekunden Belichtungszeit.

Nach dem schönen und beeindruckenden Höhlen-Erlebnis ging es zur letzten Station, dem Poço Azul. Der in dieser Höhle verborgene See war vielleicht sogar noch bizarrer, und – wir konnten darin schwimmen!!

Der Blick an die Decke mit der kleinen Lichtöffnung ist wie aus einer anderen Welt.

Nach einem köstlichen Mittagessen entstand, bevor sich die Gruppe in Lençois trennen würde, noch ein Abschiedsfoto – ganz links unser sehr kundiger guia Jaime. Unsere Gruppe – fünf wirklich grundverschiedene Menschen; aber für diese eine Woche waren wir ein Team.

Die unglaublich schönen Chapada-Bilder von Karsten Rau finden sich hier.

Noch einmal Itacaré

Schon bei meiner Abreise aus dem geliebten Städtchen hatte ich bei Miguel mein Zimmer reserviert. Doch bevor ich dort ankommen sollte, musste erst die leidige Tour Lençois-Itacaré bewältigt werden, bei der schon einmal so einiges schief ging. Diesmal kam der Bus mit anderthalb Stunden Verspätung in Salvador an. Ich sah mich schon die letzte Möglichkeit nach Itacaré verpassen. Denn vor dem Bus dorthin kam ja noch die Fähre. Und die nächste fuhr um 16 Uhr los, zu spät, um pünktlich einzutreffen. Aber ich war ja diesmal schlauer und nahm in Salvador die halbstündlich ablegende Personenfähre. Die fuhr jedoch einen anderen Hafen an, sodass ich von dort noch ein Taxi zur Busstation nehmen musste. Um 16.30 Uhr hatte ich es geschafft und steckte erleichtert mein Busticket in die Tasche. Um zehn vor fünf sprach ich etwas besorgt den Busfahrer an, weil außer mir noch fast kein Fahrgast zu sehen war. Ja, meinte er, sie würden noch auf die Autofähre warten, die um 16 Uhr in Salvador abgelegt hat. *seufz*

Spät am Abend erreichte ich, erschöpft von über 15 Stunden Reise für rund 500 km Strecke, Itacaré.

Nach einem Besuch meiner geliebten Praia Resende saß ich am nächsten Tag mit Miguel und Stefan, der das andere Zimmer mietete, in Miguels Lieblings-Strandkneipe an der nahe gelegenen Praia Coroinha

…und wir genossen den schönen Ausblick…

In der Kneipe wurde uns von einem Fischer ein großer Beutel Krabben sehr günstig angeboten und wir schlugen zu. Leider hat es der Fischer aber mit dem Trick, er wolle nur noch Eis auf die Krabben tun, geschafft, den Beutel auszutauschen und uns (fast) vergammelte Tiere unterzujubeln, was man wegen des Eises aber zunächst nicht riechen konnte. Als wir es letztendlich merkten, sind wir hin zum Hafen, haben den Typen auch gefunden und zur Rede gestellt. Er hat natürlich geleugnet, und das Geld war schon ausgegeben. Nach echt langem Hin und Her, bei dem auch andere Fischer einbezogen waren, die Miguel alle kannte, bekamen wir einen Beutel frischer Krabben. Puh. Zuhause wurde dann frittiert und gepult (was eine ganz schöne Schweinerei verursachte – und die Küche stank am nächsten Tag bestialisch… :D).

Den wohl abgefahrendsten Ausflug meiner Reise brachte der folgende Tag. Miguel kannte einen Wasserfall ganz in der Nähe von Itacaré, war im Vorjahr das letzte Mal dort und bot uns (Stefan und mir) an, uns dorthin zu führen. Die Tour sollte einfach sein, also reichten kurze Hosen und havaianas (hier Kult, bei uns Badelatschen…).

Schon beim Aussteigen aus dem Bus zeigte sich, dass Miguel wohl doch keine so große Ahnung vom Weg hatte. Er suchte lange, ohne zu finden. Wir stiegen über einen Stacheldrahtzaun auf Privatgelände, einen Hügel hinauf, und dann, erste Tortur, mussten wir eine Wiese mit teilweise bis zu hüfthohem scharfkantigen Gras überqueren, und da wir quasi barfuß waren, schnitten wir uns daran die Füße blutig. (Noch Wochen später hatte ich Schorfstriemen…) Dann ging es in einen Wald, doch der „Weg“ war zugewachsen, kaum bzw. gar nicht mehr zu erkennen, zudem teilweise durch umgestürzte Bäume versperrt. Mehrfach mussten wir durchs Flussbett über glitschige Steine balancieren und kamen dabei ins Stolpern. Miguel versprach jedesmal, dass es gleich besser werden würde.  Wurde es aber nicht. Und wir bald am Ziel seien. Nun ja, irgendwann kamen wir tatsächlich an und hatten wenigstens ein schönes Bild vor Augen.

Der Rückweg war dann noch grausliger. Um das schneidende Gras zu umgehen, liefen wir ein Stück weiter durch den Wald, kamen in morastiges Gebiet, über das wir uns auf halbverfaulten Holzbohlen vorwärtstasteten und doch ab und zu tief in den Schlamm gerieten. Irgendwann verloren wir die Orientierung, es begann schon leicht zu dämmern. Schlechte Voraussetzungen. Schließlich wateten wir, bis zu den Knien einsinkend, barfuß durch den Schlamm, um schneller voranzukommen. Und dann, als Miguel, der gerade vorausging, schon jammerte, das alles voller Dornen sei, hörten wir das Geräusch der Straße und stießen letztendlich auf einen Feldweg. Völlig verdreckt erreichten wir die Hauptstraße. Wuschen uns an einem Flüsschen. Versuchten, wieder halbwegs hergestellt, einen Bus nach Itacaré anzuhalten. Erfolglos. Sahen dann nicht unweit auf der anderen Straßenseite ein Taxi stehen. Ein Taxi! Ich hin und den Fahrer angesprochen. Der wartete dort auf einen Klienten, hatte aber noch ein wenig Zeit und ließ sich letztendlich überzeugen, uns in die Stadt zu bringen. Puh. Wattn Glück.

Als Miguel mich am nächsten Tag fragte, was denn nun eigentlich besch… gewesen sei, der Hinweg oder der Rückweg, konnte ich ihm – fast schon wieder lachend – eine klare Antwort geben: beides!

Den letzten Tag verbrachte ich in Abgeschiedenheit.

Vom Fischerhafen aus ließ ich mich in einem kleinen Ruderboot…

…auf die Halbinsel Maraú übersetzen. Dort wartet kilometerlanger herrlicher weißer Sandstrand…

…ohne eine Menschenseele. Ich wanderte und wanderte, durchwatete einen Pril, kam an langen Kokosplantagen vorbei, badete, lag in der Sonne…

Schließlich war es dann an der Zeit umzukehren. Nun hatte aber leider die Flut eingesetzt, und der Pril, den ich auf dem Hinweg mühelos durchwatete, war zu einem reißenden Strom geworden, den mit Gepäck zu überqueren unmöglich war. Ich wanderte also notgedrungen an der rechten Prilseite weiter, bis ich auf eine hübsche Pousada stieß.

Und diese besaß doch tatsächlich ein Flößchen, das man an einem Seil von einem Ufer zum anderen ziehen kann. Leider lag es gerade am anderen Ufer…

Ich also mit Badehose ins Wasser gesprungen, das Floß zurückgeholt, meine Sachen genommen – um mit demselben Floß wieder ans andere Ufer zu fahren und mit einem Grinsen im Gesicht meinen Weg fortzusetzen…

und feste ziiiiehn...

Letztendlich kam ich wohlbehalten am Pontal, der äußeren Spitze der Halbinsel, an, und siehe, eine Bar hatte geöffnet und es herrschte reger Feierabendbetrieb. So setzte ich mich, ruhte mich aus, trank ein Bier, blickte auf Itacaré…

…und auf Portodetrás und ließ die Gedanken kreisen.

Dieser Ort war mir in vielen schönen Tagen ein Stück Heimat.

 

„Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.“



 

Das BRA-Team

Endlich Ferien!!!

Die Tage vorher waren noch der pure Stress, da ich meinen Umzug vorbereiten musste, viele Dinge kaufen für den neuen Haushalt – und letztlich am Freitag dann mein neues Häuschen bezog. Mit viel mehr Sachen, als ich dachte – auf ominöse Weise hatte sich mein Hausstand innerhalb von zwei Monaten verdoppelt…

Da ich mich auch noch Freitagabend zum Essen verabredet hatte (nur nichts auslassen 😉 ) und eine Reisetasche gepackt werden wollte, war die Nacht kurz. Mit nur drei Stunden Schlaf begann ich unsere gemeinsame Urlaubstour. Wir, das sind der schon bekannte Thomas, Ingo, der sich hier mit der Herstellung von Stoßdämpfern selbständig gemacht hat, und ich.

Ubatuba

Unser erstes Ziel war ein kleines Örtchen etwa 200 km nördlich von São Paulo an der Atlantikküste. Nach Ubatuba ging es eine so steile Straße hinunter, dass die Bremsen anfingen zu rauchen (ich war NICHT am Steuer!!!) und wir eine Zwangspause machen mussten. Irgendwie hatten wir auch die genaue Adresse der Pousada nicht, haben sie aber trotzdem gefunden…

Ein noch schönerer Anblick ergab sich, als wir das Gebäude auf der anderen Seite verließen…

Die Pousada liegt abseits des Ortes an einer kleinen Bucht, die wir quasi ganz für uns allein hatten. Ein echter Geheimtipp.

Den ersten Tag verbrachten wir an Strand und Wasser und schauten abends bei Chips und Rotwein die Aufzeichnung des WM-Qualifikationsspiels Deutschland-Türkei, die Ingo auf seinen Rechner geladen hatte. 🙂

Am nächsten Tag ging es dann auf zur Wanderung: sieben Traumbuchten wollten entdeckt werden!! Die Bucht von Lagoinha war unser Startpunkt.

Auf schmalen Wegen ging es durch den Urwald weiter…

…doch zum Glück gab es auch Stationen, an denen man Rast machen und Getränke zu sich nehmen konnte… 🙂

…wir haben nicht ALLE leergemacht, ehrlich! 😉

Wie man weiß, birgt der Urwald allerhand unbekannte Gefahren. Auch wir wurden nicht verschont. So begegneten wir spitzschnäbligen Riesenvögeln…

…und wild fauchenden Riesenschlangen…

…denen wir aber knapp entkommen konnten, um die nächste Bucht zu erblicken…

Viel zu bevölkert natürlich – mehr als zwanzig Menschen… 😉 und so zogen wir weiter…

Die nächste Bucht bot die perfekte Badestelle! Auf den Felsen hielten wir Picknick. Das machte allerdings wieder durstig! Und, man glaubt es kaum, am anderen Ende der langen und weitgezogenen Bucht, die nur zu Fuß oder mit dem Schiff erreichbar ist, begegneten wir einem Deutschen, der uns einen kleinen Pfad in den Dschungel hinein wies und meinte, dass dort eine Bar zu finden sei. Was wir dann sahen, verschlug uns wirklich die Sprache. Mitten aus dem Urwaldgrün wuchs plötzlich ein komplettes Dorf hervor, das von Aussteigern und Alternativ-Lebenden bewohnt war…

Die versprochene Kneipe gab es auch, sogar mit Urwald-Dusche.

Soweit gestärkt und erfrischt, machten wir uns an die letzte – und schwierigste Etappe. Um die letzte Bucht unseres Tagesplans zu erreichen, die zu einer der zehn schönsten abgelegenen Buchten Brasiliens gehören soll, mussten wir ganz schön kraxeln.

Doch der Weg hat sich gelohnt.


Am nächsten Tag hieß es schon wieder aufbrechen… Doch Ingo, der vor zwei Jahren schon einmal in der Gegend war, hatte noch einen Geheimtipp, die „Praia do Cedro“ am Rande von Ubatuba. Dorthin führte nur ein gaaanz furchtbarer Schlaglochweg, bei dem wir trotz allervorsichtigen Fahrens dreimal aufsetzten. Aber wir haben zum Glück keine wesentlichen Teile des Autos dabei verloren. Und was sich dann bot, übertraf für mich alles vorherige:

Hier verbrachten wir noch schöne Vormittagsstunden. Dann hieß es den gleichen Weg wieder zurück (wieder dreimal aufsetzen… *grummel*) und weiter Richtung Norden. Doch nicht sehr weit, denn schon beim nächsten Wasserfall machten wir Halt und sprangen wieder ins kühle Nass.

Ingo und ich unter der Wasserfall-Dusche 🙂 (Foto: Thomas)

Einen weiteren Abstecher machten wir zu einer antiken Maniok-Mühle, zur der auch mal wieder nur ein Schlaglochpfad führte. Diese war zudem noch komplett zur Restaurierung zerlegt.

Hier stand sie mal, die Maniok-Mühle (Foto: Thomas)

Aber wir bekamen von den Bauarbeitern den Tipp, einen kleinen Urwaldpfad bis zu einem Wasserfall zu laufen, wo dann dieses Urwaldbild entstand:

Doch nun war es Zeit aufzubrechen, denn unser nächstes Ziel wartete:

Parati

Parati ist ein kleines, 1646 gegründetes Kolonialstädtchen. Seine Altstadt bietet durch ihre zumeist einstöckigen mit Ornamenten und Ziergittern ausgeschmückten Häuser und das dazwischenliegende grobe Kopfsteinpflaster ein ganz besonderes Flair und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Hier gibt es viele Bars und Restaurants, in denen abends Livemusik geboten wird. Wir haben hier wunderbar gegessen und wunderbare Abende verlebt.

Nicht vergessen werden darf jedoch, dass Parati im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur Umschlagplatz für das Gold war, das mittlerweile in Minas Gerais gefunden und von dort nach Lissabon verschifft wurde, sondern auch Umschlagplatz für viele Sklaven, die von Parati aus ins Landesinnere geschafft wurden und zum Reichtum der Stadt beitrugen. Die unebenen Kopfsteinpflasterstraßen Paratis wurden von Sklaven verlegt. Können wir sie reinen Gewissens betreten? Ist das schon Historie oder machen wir uns mitschuldig an Ausbeutung und Unterdrückung, die jahrhundertelang von Europa ausgingen?

Nun, solche Gedanken hatten wir zum Glück nicht, also wir dort wandelten. Wir waren zunächst einmal froh, unsere Pousada gefunden zu haben, da das Navi permanent sponn und sich in dieser Stadt offenbar nicht richtig auskannte.

Mittlerweile war es Dienstag und wir nutzten den Tag zu einem ausgiebigen Stadtbummel. Parati ist auch berühmt für seinen Cachaça, Zuckerrohrschnaps, der unter anderem in Caipirinha verwendet wird, aber in seiner edleren Form auch sehr gut pur getrunken werden kann.

Am Mittwoch dann stachen wir in See. Auf einem Schoner verbrachten wir einen gemütlichen Tag und lernten dabei ein paar schöne Buchten in der Umgebung kennen.

Man konnte gechillt auf weichen Matten liegen…

…und dabei echt gute Live-Musik hören…

…und wir waren zwei- bis dreimal im Wasser…

Am Abend sind wir nach einem fantastischen Fisch-Essen noch in der „Bodega do Poeta“ gelandet. Als wir uns näherten, hörten wir schon Musik erklingen und waren überzeugt-enttäuscht, dass sie vom Band käme. Als wir dann hereinschauten, sahen wir einen Gitarristen, vielleicht Mitte 5o, der so hingebungsvoll gut spielte und sang, dass er auch in jedem Konzertsaal hätte auftreten können. Natürlich blieben wir dort. Hier trank ich meine zunächst beste Caipi. Und hier zeigte sich mal wieder die unglaubliche brasilianische Freundlichkeit. Zum Umrühren steckte im Glas ein ruderförmiges Holzlöffelchen mit einem kleinen handbemalten Tucan auf der Spitze. Kaum hatte ich gefragt, ob man diese Löffel auch kaufen kann, hatte ich nicht nur den Tipp, wo es sie gab, sondern auch das Löffelchen geschenkt bekommen… Später kam noch ein Bassist hinzu und beide spielten wunderbar zusammen. Als die Bodega sich leerte und die Musiker aufhörten, kam noch weiter richtig gute Musik, diesmal tatsächlich vom Band. Und als ich nachfragte, welche CD das sei, die gerade spielt, brannte mir der Bodega-Besitzer kurzerhand eine CD mit 27 Stücken drauf und schenkte sie mir.  Auch jetzt noch, während ich diese Zeilen schreibe, bin ich tief gerührt. Ich saß da, lauschte der Musik, und hatte vor Glück feuchte Augen. Zum Abschied schenkte ich dem Pärchen, dem die Bodega gehört, einen handgeschnitzten Kerzenhalter als Dankeschön, den ich mir erst einige Stunden zuvor auf der Straße gekauft hatte. Para ti – für dich. Ich komme wieder!

Der nächste Morgen zeigte sich bedeckt. Nun, das machte uns den Aufbruch nicht schwerer zu unserer nächsten und letzten Reise-Etappe:

Rio

Cristo Redentor - Christus, der Erlöser (Foto: Thomas)

Die imposante, dreißig Meter hohe Statue war eines unserer ersten Ziele in dieser wunderbaren Stadt. Auf dem gut 700 m hohen Corcovado breitet sie, den Pão de Açúcar anblickend, seit nunmehr 80 Jahren ihre Arme über Rio aus. 2007 wurde sie zu einem der sieben Neuen Weltwunder erklärt.

Nicht nur die Statue, auch wir hatten einen imposanten, wenn auch etwas wolkenverhangenen Blick auf die Metropole, über die Stefan Zweig einst schrieb: „Es gibt – wer sie einmal gesehen, wird mir nicht widersprechen – keine schönere Stadt auf Erden.“

Auch wenn Rio in vielen Bereichen dem Verfall preisgegeben wurde und erst seit einigen Jahren beispielsweise die besonders in Mitleidenschaft gezogene Altstadt nach und nach saniert und restauriert wird, hat die Stadt ihren besonderen Charme nicht verloren. Schon von hier oben aus ist zudem zu erkennen, wie grün sie ist. Rund ein Fünftel der Stadtfläche besteht aus Bäumen (über eine halbe Million!) und Pflanzen. Zu den 1105 Parks gehört auch der mit 3200 ha weltgrößte innerstädtische Regenwald. Eine weitere riesige Grünfläche bietet der Jardim Botânico, den wir im Anschluss an die Christus-Statue besuchten, einer der größten Botanischen Gärten Südamerikas, der über 6000 tropische Pflanzenarten beherbergt.

Mit der Anfertigung von Ingo-Statuen konnte der Hersteller bislang noch keinen großen Verkaufserfolg erzielen... 😉 (Foto und Bearbeitung: Thomas)

Auch der Copacabana statteten wir natürlich einen Besuch ab, allerdings bei so schlechtem Wetter, dass es uns glatt die Sicht verhagelte.

Copacabana bei Regen (Foto: Thomas)

Hier trafen wir auch Manuela, die Thomas und ich vom Vorbereitungslehrgang in Köln her kannten und die an der Deutschen Schule in Rio arbeitet.

Gruppenbild mit Dame 🙂

Mit uns gemeinsam aß sie ihre erste Feijoada und freute sich, wie gut sie schmeckt. 🙂

Feijoada-Essen in Rio (Foto: Thomas)

Doch die wirklich unbeschreiblichen Momente bietet Rio, die Stadt des Karnevals, die Stadt der Lebensfreude, in der Nacht. Am Freitag wurde in Lapa, einem alten Bohéme-Viertel ganz in der Nähe unserer Unterkunft, wie jede Woche ein ganzer Straßenzug gesperrt. Schon nachmittags begann der Aufbau kleiner Buden, aus denen dann ab dem frühen Abend Gegrilltes und Süßes sowie Caipirinha in 0,4 l-Bechern verkauft wurde. Rund um die malerischen Arkaden von Lapa, die zu einem ab 1723 erbauten Aquädukt gehören, sind die Straßen gesäumt von Bars und Restaurants. Aus den meisten ist jetzt Live-Musik zu hören. Immer mehr füllen sich die Straßen mit Menschen. Plötzlich erklingt von irgendwoher ein Trommeln und Samba-Rhythmen erfassen die Menge. Lassen sie nicht mehr los. Bis zum Morgengrauen wird auf der Straße getanzt, getrunken und gefeiert. Etwas abseits, auf einer von einem chilenischen Künstler pittoresk mit diversen bunten Kacheln aus aller Herren Länder verzierten breiten Treppe, sitzen Jugendliche und rauchen Gras. Hunderte. Und wir überall und mittendrin in diesem Konvolut brodelnden Lebens.

Auch der Samstagabend beim Ensaio einer der berühmtesten Samba-Schulen Rios, Salgueiro, beeindruckte überaus. Tänzer, Sänger und Musiker üben hier öffentlich ab September für ihren Auftritt im Sambódromo beim nächsten Karneval. Viele von ihnen kommen aus den Favelas und geben buchstäblich alles für diese Tage voller Glück und die Zeit der Vorbereitung und Vorfreude darauf.

Zunächst bot die große, rot-weiß geschmückte Halle mit ihrer grellen Neonbeleuchtung wenig Reize. Doch dann begann die Musik zu erklingen. Auf der Bühne spielte und sang die Band das neue Karnevalslied, das sich durch immerwährende Wiederholungen steigerte und einprägte. Dann wird das Publikum mit einem Mal zurückgedrängt und kostümierte Tänzerinnen treten vor der Bühne auf. Hautnah. Und endlich setzt auf der anderen Seite, von einer erhöhten Tribüne aus, die gut 50-köpfige Rhythmus-Gruppe dazu ein. Ab diesem Moment beginnt der Saal zu kochen. Vergessen ist das Neonlicht, vergessen ist die viel zu laute, fast schon verzerrte Musik der Karnevals-Band, vergessen ist alle Müdigkeit der Nacht zuvor. Niemand mehr, der nicht tanzt, Kinder wie Alte. Der Rhythmus, die Musik verbindet alle zu einer einzigen Physis. Mit uns, wieder, mittendrin. Bis um drei Uhr, völlig unbrasilianisch, die Musik abbricht und alle sich auf den Heimweg begeben. Macht ja nichts, in Lapa war auch Samstagnacht noch einiges los und wir mussten einfach die Zeit noch auskosten. Nicht an morgen denken, nicht an die mehr als achtstündige Rückfahrt. Nur heute – einfach – sein.

 

 

 

Lust tanken!

Raus aus der Stadt, weg von Lärm, Dreck und schlechter Luft und die Batterien wieder aufladen – genau das brauchte ich: neue Energie, neue Lebensfreude, neue Lust am Leben! Also, früh raus am Sonntag und in Richtung Küste! Schon um zehn Uhr kamen Thomas und ich im sonnigen Bertioga an.

Nach einem Frühstück mit Meeresblick ging es (wieder mal) auf eine Fähre. Diese brachte uns auf die in einem Naturschutzgebiet gelegene Halbinsel Serra do Guararu. Ein Weg führt über die hügelige Inselmitte auf die andere Seite (und nicht immer ist ein Geländer zur Hand, wenn der Abgrund winkt…).

Dort erwartete uns schönster Sandstrand – mit großartigen Atlantikwellen!!!


engelchen: ein felschen in der Brandung...

Als die Schatten immer länger wurden (was hier relativ früh passiert) und es abkühlte (wir haben schließlich Winter!! ;)), machten wir uns wieder auf den Rückweg.

Blick auf Bertioga

Doch halt, wir wollten ja nicht hungrig nach Hause! Zunächst aber eine kulturelle Einlage: Wir besuchten in Bertioga das Fort São João, dessen Ursprung auf das Jahr 1532 zurückgeht.

Forte de São João

Das Bild hängt im Museum im Innern des Forts. Draußen sieht es so aus (im Hintergrund Serra do Guararu):

Blick vom Fort

Wir hatten Glück, dass in Bertioga gerade noch der letzte Tag des sich über mehrere Wochen hin erstreckenden „Festival do Camarão“ gefeiert wurde, wörtlich übersetzt: „Fest der Krabbe“ 🙂 So kamen wir in den Genuss eines ganz besonderen Mahls: „Camarão na Moranga“, ein im Ofen gebackener Kürbis mit Krabben und Kürbisfleisch gefüllt. Die eigentlich für vier Personen ausgelegte Portion schafften wir übrigens mit Leichtigkeit. 😀

Was Brasilien so einzigartig macht… Fast überall, wo man auch hinkommt, begegnen einem die Menschen mit einer unglaublichen Freundlichkeit! Die ein gutes Gefühl hinterlässt, eine Leichtigkeit des Lebens für diesen Moment.

brasilianische Lebensfreude

 

 

 

Ilhabela

Eigentlich Ilha de São Sebastião heißend, hat sich ihr „Spitzname“ Schöne Insel zu Recht eingebürgert. Fast komplett von Atlantischem Regenwald bedeckt und damit immergrün, verfügt das ca. 25 km lange Eiland über unzählige kleinere und größere Buchten und dazu noch drei bis zu knapp 1400 m hohe Berge.

Doch bis ich sie überhaupt erblicken konnte, lag von São Paulo aus eine gut viereinhalbstündige Autofahrt (für 200 km Strecke!) über zuletzt kurvig-bergige Küstenstraßen vor mir. Dann nur noch die Auffahrt zur Fähre finden und schon beginnt die Überfahrt… 🙂

Und wo kommt man dann unter als guter Deutscher?!? Natürlich in der Pousada do Alemão! 😉

Allerdings war ich da der einzige „Alemão“, denn nicht nur die Insel, sondern auch der Besitzer der Pousada hat einen Spitznamen. Mit seinen blauen Augen und hellen Haaren sieht er nämlich aus wie ein Deutscher.

Wie ihr seht, kann man sich hier echt wohlfühlen. 🙂

Und auch nachts lässt die Pousada sich blicken…

Jeweils etwa zehn Fußminuten entfernt liegen zwei schöne Strände, die Praia do Curral in südlicher…

…und die Praia Grande in nördlicher Richtung…

Nach zwei schönen Strandtagen war es am dritten Tag bedeckt, sodass ich mich zu einer Wanderung in Richtung Praia Bonete aufmachte.

Natürlich suchte ich mir zum Anfang gleich mal einen der schwierigsten Wege aus. (Man beachte die wundervolle Übersetzung von „alto“ :))

Die erste Etappe war erreicht, der Laje-Wasserfall!

Doch nicht so harmlos, wie er zunächst aussah…
Nach einem ausgiebigen und sehr erfrischenden Bad und einem Ausrutscher – trotz aller Vorsicht (da engelchen ja unbedingt eine noch bessere Badestelle ausfindig machen musste und nur mit Badehose bekleidet herumkletterte… – der eigentliche Wasserfall war nämlich nur zu hören, nicht aber zu sehen), bei dem ich mir den Arm an einer tropischen Pflanze aufschürfte, setzte ich meine Wanderung fort. Der Weg wurde jedoch zunehmend schwieriger, und da ich allein unterwegs war und schon einen „Schuss vor’n Bug“ bekommen hatte (wie mein lieber Freund und Skipper Volker sagen würde, dessen gemeinsame Segeltouren ich vermissen werde…), kehrte ich lieber wieder um. Das war auch gut so, denn wenig später setzte Nieselregen ein. Doch auch bei Regen hat der Regen-Wald seine Reize, wie man sieht.

Der Regen wurde stärker, meine Schritte schneller, und so kam ich schließlich völlig durchnässt, aber mit einem breiten Grinsen über meine mal wieder verrückt-gelungene Aktion wieder am Ausgangspunkt an.

Die Folgetage waren weniger spektakulär, da das schlechte Wetter zunächst anhielt und ich viel zu viel Gelegenheit zum Portugiesisch-Lernen hatte… Als nach einer relativ schnell auskurierten Magenverstimmung sich auch noch eine Mittelohrentzündung ankündigte und sich zudem die Pousada am Sonntag empfindlich leerte, beschloss ich, dass es nun genug sei mit dieser Etappe.

Und ich verspürte etwas Heimweh. Nein, nicht nach Deutschland. Verrückterweise vermisste ich dich… São Paulo.

 

 

on tour again

Jetzt meld ich mich erstmal für ’ne gute Woche ab. Morgen, oder besser gesagt, in so etwa sechs Stunden, beginnt das nächste Abenteuer – da mache ich mich mit dem Auto auf den Weg zur Ilhabela, einer an der Atlantikküste vorgelagerten Insel, auf der es neben schönen Stränden und Tauchgelegenheiten auch ein paar Berge gibt, die man erwandern kann, Wasserfälle und – naja, den Rest werde ich schon noch entdecken… 😉

Eben gerade komme ich von einem geselligen Abend mit einem anderen Thomas zurück. Der in einer anderen Deutschen Schule in SP unterrichten wird, den ich auf dem entsprechenden Vorbereitungslehrgang kennengelernt hatte und gestern sowie heute per „Zufall“ in São Paulo wiedertraf – zweimal, und das in einer 13-Millionen-Stadt…