Monatliches Archiv für September, 2011

Ringtennis – jetzt geht’s los!!

Dass es überhaupt Ringtennis in São Paulo gibt, ist vor allem zwei Damen zu verdanken, die sich – unermüdlich alle Hindernisse aus dem Weg räumend – für diesen Sport eingesetzt haben: Cida und Sueli (das Bild zeigt mich mit den beiden Eleven). Sie nahmen sogar mit einer kleinen Gruppe an den letzten Weltmeisterschaften 2010 in Deutschland teil, wo sie allerdings, aus verschiedenen Gründen, kein so gutes Bild abgaben… 😉

Aber – wo ein Wille ist, ist ein Weg! Letzten Mittwoch fand das erste offizielle Training statt, mit neu aus Deutschland bestellten Ringen (60% Einfuhrzoll!!!) – und etwas älteren brasilianischen Damen. Am Samstag dann wurden im Rahmen eines Eltern-Kind-Festes im Club neue Spieler geworben. Erklärtes Ziel: WM 2014 in Südafrika!! (es gibt also viel zu tun für mich… :))

aller Anfang ist schwer...

...außer man ist Naturtalent

Dass es keinen Zweck hat, zu Zeiten des Berufsverkehrs durch São Paulo zu fahren, wurde mir auf dem Heimweg vom ersten Training dann mehr als deutlich: zwei Stunden im Dauerstau inklusive einem Beinahe-Unfall kosteten Nerven. Da bleibe ich doch nächstes Mal lieber noch eine gemütliche Stunde länger im Club, in den man ansonsten nur hereinkommt, wenn eines der 25.000 Mitglieder austritt oder verstirbt und man umgerechnet mehr als 50.000 Euro für die „Eintrittskarte“ hinblättert. Und bin genauso schnell zuhause.

Nachtrag 21.09.:
Heute erfuhr ich, dass die Aufnahmegebühr mittlerweile bei rund 140.000 Euro liegt… Wahnsinn!!! (Rückfahrt diesmal: 35 Min.)

 

 

 

Lebenskonzepte

Wenn Menschen Türen und Zäune bauen, um ihre Freiheit zu bewahren, kann man das durchaus paradox nennen. Und eine Form sozialer Ausgrenzung. Wer hier Geld hat, lebt hinter hohen Mauern.

So gestaltete sich für mich eine wichtige Entscheidung, in deren Zeichen die letzten Wochen standen, nicht eben einfach. „Quo vadis, Arne?“ wäre vielleicht ein wenig zu dramatisch formuliert, dennoch ist die Suche nach und vor allem das Finden einer zukünftigen Bleibe ein wichtiger, ein vielleicht entscheidender Schritt. Umfeld und Ambiente prägen, strahlen zurück.

Wohnen ist hier, das kann man wirklich sagen, teuer. Nehmt die Mieten von Hamburg, schlagt 100% drauf, und ihr habt in etwa die Preise von São Paulo – und nicht immer etwas Schönes in schöner Gegend gefunden. Wer zudem ungern lange Arbeitswege in Kauf nimmt, hat nicht mehr die große Wahl.

Also, wohin? Auf jeden Fall raus aus der mich langsam einengenden Komfortabilität des „Gast-Seins“. Der von der Straße permanent heraufdringende Lärm und auch der Wind, der hier oben oft weht und die brasilianischen Fenster zum Klappern bringt, taten ihr Übriges. Bei allen Vorzügen, die diese Wohnung zu bieten hat.

Bei meiner Suche kristallisierten sich drei Optionen heraus. Jeder von ihnen sprach ich zu unterschiedlichen Zeiten die Favoritenrolle zu:

das Luxusambiente einer komplett und stylisch eingerichteten Designerwohnung einer deutschen Innenarchitektin, quasi ein Annex ihres eigenen Hauses auf einem kleineren Grundstück mit Pool;
das kleine möblierte Gartenhäuschen auf dem geräumigen Gartengrundstück einer brasilianischen Großfamilie, auch mit Pool;
oder das Leben am Rande der Favela Monte Azul in einer Wohnung dort, wo das Herz São Paulos schlägt.

Drei unterschiedliche Lebenskonzepte. Alle drei auf ihre Weise (für mich) interessant.

Naja, um es kurz zu machen, das Gartenhäuschen hat gewonnen!! Dort wohne ich ab Oktober unabhängig, aber doch mit Anschluss an eine total nette Familie, zudem mit einem Kollegen und seiner Familie gleich nebenan – und vor allem mit einem großen Garten (und aller Nutzungsfreiheit) in einem ruhigen Viertel nah bei der Schule. Also: Churrasco und Poolparty können steigen!! 🙂

Auf den folgenden Anblick muss dann jedoch wohl verzichtet werden…

Tchao und gute Nacht, Cidade Dutra. Und danke für alles.

 

 

 

 

Lust tanken!

Raus aus der Stadt, weg von Lärm, Dreck und schlechter Luft und die Batterien wieder aufladen – genau das brauchte ich: neue Energie, neue Lebensfreude, neue Lust am Leben! Also, früh raus am Sonntag und in Richtung Küste! Schon um zehn Uhr kamen Thomas und ich im sonnigen Bertioga an.

Nach einem Frühstück mit Meeresblick ging es (wieder mal) auf eine Fähre. Diese brachte uns auf die in einem Naturschutzgebiet gelegene Halbinsel Serra do Guararu. Ein Weg führt über die hügelige Inselmitte auf die andere Seite (und nicht immer ist ein Geländer zur Hand, wenn der Abgrund winkt…).

Dort erwartete uns schönster Sandstrand – mit großartigen Atlantikwellen!!!


engelchen: ein felschen in der Brandung...

Als die Schatten immer länger wurden (was hier relativ früh passiert) und es abkühlte (wir haben schließlich Winter!! ;)), machten wir uns wieder auf den Rückweg.

Blick auf Bertioga

Doch halt, wir wollten ja nicht hungrig nach Hause! Zunächst aber eine kulturelle Einlage: Wir besuchten in Bertioga das Fort São João, dessen Ursprung auf das Jahr 1532 zurückgeht.

Forte de São João

Das Bild hängt im Museum im Innern des Forts. Draußen sieht es so aus (im Hintergrund Serra do Guararu):

Blick vom Fort

Wir hatten Glück, dass in Bertioga gerade noch der letzte Tag des sich über mehrere Wochen hin erstreckenden „Festival do Camarão“ gefeiert wurde, wörtlich übersetzt: „Fest der Krabbe“ 🙂 So kamen wir in den Genuss eines ganz besonderen Mahls: „Camarão na Moranga“, ein im Ofen gebackener Kürbis mit Krabben und Kürbisfleisch gefüllt. Die eigentlich für vier Personen ausgelegte Portion schafften wir übrigens mit Leichtigkeit. 😀

Was Brasilien so einzigartig macht… Fast überall, wo man auch hinkommt, begegnen einem die Menschen mit einer unglaublichen Freundlichkeit! Die ein gutes Gefühl hinterlässt, eine Leichtigkeit des Lebens für diesen Moment.

brasilianische Lebensfreude