Brasilianische Weihnacht

Tja, also, Weihnachten ist hier echt anders. Bei 30° C wird ein Schneemann nicht mal geboren, und ich fragte mich, ob Papai Noel hier eigentlich auch in dickem Mantel und mit Rentierschlitten ankommt… oder eher halbnackt auf dem Hoverboard… 😉 Seit einer Woche sind Sommerferien, Urlaubswetter, doch ich weile noch in São Paulo, da meine brasilianische Familie mich netterweise einlud, die Feiertage mit ihnen zu verbringen!! 😀

Wenn ich mich auch schon anpasse und mein Zimmer mit einem (wie praktisch) jährlich wiederverwendbaren, nicht nadelnden und zudem formvollendet gewachsenen Kunst-Tannenbaum schmücke…

brasilianische Tanne mit chinesischen Wurzeln 😉

…sollte wenigstens die deutsch-brasilianische Weihnachtsgans nicht fehlen! Es stellte sich jedoch als schwierig heraus, eine Gans für diese Zwecke käuflich zu erwerben. Die Tiere werden hier nämlich, wenn überhaupt, in Funktion eines Wachhunds gehalten – und wer isst schon seinen Hund?!? 😉 Traditionsgemäß wird in Brasilien, wie in Nordamerika, der Truthahn aufgetischt (den es natürlich auch noch gab, irgendwie mussten die knapp 30 Leute ja satt werden…).

Rotkohl war gefragt, frisch kein Thema – aber wo zum T… findet man Sternanis und Piment?!? Nun ja, all diese Probleme wurden letztendlich gelöst, der Rotkohl schlummerte wohlgewürzt im Kühlschrank, die Gans entspannt daneben.

Doch zunächst war in der Adventszeit Weihnachtsbacken angesagt. Ich habe hier so viel Kekse produziert wie in Deutschland in drei Jahren nicht – und sogar einen echten Dresdner São Paulo-Stollen!

Weihnachtsbacken Teil 1

Natürlich hatte ich immer fleißige Helfer, beim ersten Mal Thomas und später noch Ingo, beim zweiten Mal Max, den Sohn meiner deutschen Nachbarn, der die Rezepte mit neuen Ideen bereicherte. Das Foto zeigt insofern nur einen Ausschnitt der insgesamt viele Kilo schweren Backwaren (allein 3 kg Mehl verbraucht, ca. 1,5 kg Butter, über 1 kg Orangeat/Zitronat, 1 kg Mandeln, Sahne, Zucker, Schokolade…).

Doch auch ein Besuch der weihnachtlich geschmückten Avenida Paulista, der wichtigsten Straße im Zentrum, und des Ibirapuera-Parks bei Nacht ist ein Muss.

dieses Foto möchte ich mal meiner Kamera widmen 🙂

Ibirapuera-Park

Heiligabend bestand dann aus letzten Weihnachtseinkäufen und Vorbereitungen für die große Feier am Abend. Max kam noch vorbei, um ungestört ein Geschenk für seine Eltern zu basteln, und plötzlich war die ganze Casinha voll mit Kindern, die Stoff in verschiedensten Formen ausschnitten, zusammennähten und mit Reis füllten…

… während Lucas E. am Laptop saß und für die richtige Begleitmusik sorgte. 🙂

Gegen halb neun Uhr abends fanden sich dann die Gäste in Wilsons Haus ein, wo die Tische schon festlich gedeckt waren.

Das Bild zeigt aber nur einen Teil des Ganzen, denn insgesamt waren wir 16 Erwachsene und zwölf Kinder!! Bevor das Essen losging, wurde erst einmal Sekt getrunken, geklönt und viel fotografiert – während in der Küche die Braten langsam aber beständig abkühlten…

Ricardos Familie mit Janaína, Deanne, Ian und Diego

Wilsons Familie mit Paula, Gabi, Ana-Carolina, Lucas A. und Sophia

Beim Verkosten der Gans, die man mit ihren 2,3 kg eher als Leichtgewicht bezeichnen kann, zeigte sich, dass die eher wenig zartbesaiteten Tiere doch lieber weiter Häuser bewachen sollten. Aber die Füllung schmeckte prima, und auch der Rotkohl war gelungen. Außerdem gab es ja noch zwei Puten, einen Schinkenbraten, Fischauflauf und diverse Beilagen… 😉

Dann hieß es auf Papai Noel warten… Die Geschenke lagen schon unterm Baum verteilt, die Kinder scharten sich drumherum, bis er sich kurz vor Mitternacht endlich draußen vor dem Fenster blicken ließ. 😀

Er sieht zwar (fast) genauso aus wie der deutsche Weihnachtsmann, ist aber doch viel netter. Gar nicht streng, viele Späße machend, und niemand muss ein Gedicht aufsagen oder singen, um beschenkt zu werden! Er setzt sich gemütlich hin, nimmt sich viel Zeit, und jedes Kind, das das erste Päckchen von ihm überreicht bekommt, wird erst einmal ausgiebig geknuddelt. Brasilianisch eben.

Mit diesen Eindrücken verabschiede ich mich für dieses Jahr und wünsche euch frohe und besinnliche Feiertage und einen Jahreswechsel, bei dem es richtig kracht!! 🙂 Euer

weihnachts-engelchen

 

PS: Einen kleinen Wunsch hätte ich auch: mögen hier ein paar mehr Kommentare zu den Artikeln erscheinen… 🙂 Mal sehen, ob sich Papai Noel gnädig zeigt. 😉

 

 

 

 

1 Antwort to “Brasilianische Weihnacht”


  • Hallo, Bruder Arne,

    wo hast Du denn die tollen Flügel her?
    Sind sie Dir über Weihnachten gewachsen?
    Vielen Dank für Deine schönen Berichte!!!

    Liebe Grüße von Schwester Petra

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