Das BRA-Team

Endlich Ferien!!!

Die Tage vorher waren noch der pure Stress, da ich meinen Umzug vorbereiten musste, viele Dinge kaufen für den neuen Haushalt – und letztlich am Freitag dann mein neues Häuschen bezog. Mit viel mehr Sachen, als ich dachte – auf ominöse Weise hatte sich mein Hausstand innerhalb von zwei Monaten verdoppelt…

Da ich mich auch noch Freitagabend zum Essen verabredet hatte (nur nichts auslassen 😉 ) und eine Reisetasche gepackt werden wollte, war die Nacht kurz. Mit nur drei Stunden Schlaf begann ich unsere gemeinsame Urlaubstour. Wir, das sind der schon bekannte Thomas, Ingo, der sich hier mit der Herstellung von Stoßdämpfern selbständig gemacht hat, und ich.

Ubatuba

Unser erstes Ziel war ein kleines Örtchen etwa 200 km nördlich von São Paulo an der Atlantikküste. Nach Ubatuba ging es eine so steile Straße hinunter, dass die Bremsen anfingen zu rauchen (ich war NICHT am Steuer!!!) und wir eine Zwangspause machen mussten. Irgendwie hatten wir auch die genaue Adresse der Pousada nicht, haben sie aber trotzdem gefunden…

Ein noch schönerer Anblick ergab sich, als wir das Gebäude auf der anderen Seite verließen…

Die Pousada liegt abseits des Ortes an einer kleinen Bucht, die wir quasi ganz für uns allein hatten. Ein echter Geheimtipp.

Den ersten Tag verbrachten wir an Strand und Wasser und schauten abends bei Chips und Rotwein die Aufzeichnung des WM-Qualifikationsspiels Deutschland-Türkei, die Ingo auf seinen Rechner geladen hatte. 🙂

Am nächsten Tag ging es dann auf zur Wanderung: sieben Traumbuchten wollten entdeckt werden!! Die Bucht von Lagoinha war unser Startpunkt.

Auf schmalen Wegen ging es durch den Urwald weiter…

…doch zum Glück gab es auch Stationen, an denen man Rast machen und Getränke zu sich nehmen konnte… 🙂

…wir haben nicht ALLE leergemacht, ehrlich! 😉

Wie man weiß, birgt der Urwald allerhand unbekannte Gefahren. Auch wir wurden nicht verschont. So begegneten wir spitzschnäbligen Riesenvögeln…

…und wild fauchenden Riesenschlangen…

…denen wir aber knapp entkommen konnten, um die nächste Bucht zu erblicken…

Viel zu bevölkert natürlich – mehr als zwanzig Menschen… 😉 und so zogen wir weiter…

Die nächste Bucht bot die perfekte Badestelle! Auf den Felsen hielten wir Picknick. Das machte allerdings wieder durstig! Und, man glaubt es kaum, am anderen Ende der langen und weitgezogenen Bucht, die nur zu Fuß oder mit dem Schiff erreichbar ist, begegneten wir einem Deutschen, der uns einen kleinen Pfad in den Dschungel hinein wies und meinte, dass dort eine Bar zu finden sei. Was wir dann sahen, verschlug uns wirklich die Sprache. Mitten aus dem Urwaldgrün wuchs plötzlich ein komplettes Dorf hervor, das von Aussteigern und Alternativ-Lebenden bewohnt war…

Die versprochene Kneipe gab es auch, sogar mit Urwald-Dusche.

Soweit gestärkt und erfrischt, machten wir uns an die letzte – und schwierigste Etappe. Um die letzte Bucht unseres Tagesplans zu erreichen, die zu einer der zehn schönsten abgelegenen Buchten Brasiliens gehören soll, mussten wir ganz schön kraxeln.

Doch der Weg hat sich gelohnt.


Am nächsten Tag hieß es schon wieder aufbrechen… Doch Ingo, der vor zwei Jahren schon einmal in der Gegend war, hatte noch einen Geheimtipp, die „Praia do Cedro“ am Rande von Ubatuba. Dorthin führte nur ein gaaanz furchtbarer Schlaglochweg, bei dem wir trotz allervorsichtigen Fahrens dreimal aufsetzten. Aber wir haben zum Glück keine wesentlichen Teile des Autos dabei verloren. Und was sich dann bot, übertraf für mich alles vorherige:

Hier verbrachten wir noch schöne Vormittagsstunden. Dann hieß es den gleichen Weg wieder zurück (wieder dreimal aufsetzen… *grummel*) und weiter Richtung Norden. Doch nicht sehr weit, denn schon beim nächsten Wasserfall machten wir Halt und sprangen wieder ins kühle Nass.

Ingo und ich unter der Wasserfall-Dusche 🙂 (Foto: Thomas)

Einen weiteren Abstecher machten wir zu einer antiken Maniok-Mühle, zur der auch mal wieder nur ein Schlaglochpfad führte. Diese war zudem noch komplett zur Restaurierung zerlegt.

Hier stand sie mal, die Maniok-Mühle (Foto: Thomas)

Aber wir bekamen von den Bauarbeitern den Tipp, einen kleinen Urwaldpfad bis zu einem Wasserfall zu laufen, wo dann dieses Urwaldbild entstand:

Doch nun war es Zeit aufzubrechen, denn unser nächstes Ziel wartete:

Parati

Parati ist ein kleines, 1646 gegründetes Kolonialstädtchen. Seine Altstadt bietet durch ihre zumeist einstöckigen mit Ornamenten und Ziergittern ausgeschmückten Häuser und das dazwischenliegende grobe Kopfsteinpflaster ein ganz besonderes Flair und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Hier gibt es viele Bars und Restaurants, in denen abends Livemusik geboten wird. Wir haben hier wunderbar gegessen und wunderbare Abende verlebt.

Nicht vergessen werden darf jedoch, dass Parati im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur Umschlagplatz für das Gold war, das mittlerweile in Minas Gerais gefunden und von dort nach Lissabon verschifft wurde, sondern auch Umschlagplatz für viele Sklaven, die von Parati aus ins Landesinnere geschafft wurden und zum Reichtum der Stadt beitrugen. Die unebenen Kopfsteinpflasterstraßen Paratis wurden von Sklaven verlegt. Können wir sie reinen Gewissens betreten? Ist das schon Historie oder machen wir uns mitschuldig an Ausbeutung und Unterdrückung, die jahrhundertelang von Europa ausgingen?

Nun, solche Gedanken hatten wir zum Glück nicht, also wir dort wandelten. Wir waren zunächst einmal froh, unsere Pousada gefunden zu haben, da das Navi permanent sponn und sich in dieser Stadt offenbar nicht richtig auskannte.

Mittlerweile war es Dienstag und wir nutzten den Tag zu einem ausgiebigen Stadtbummel. Parati ist auch berühmt für seinen Cachaça, Zuckerrohrschnaps, der unter anderem in Caipirinha verwendet wird, aber in seiner edleren Form auch sehr gut pur getrunken werden kann.

Am Mittwoch dann stachen wir in See. Auf einem Schoner verbrachten wir einen gemütlichen Tag und lernten dabei ein paar schöne Buchten in der Umgebung kennen.

Man konnte gechillt auf weichen Matten liegen…

…und dabei echt gute Live-Musik hören…

…und wir waren zwei- bis dreimal im Wasser…

Am Abend sind wir nach einem fantastischen Fisch-Essen noch in der „Bodega do Poeta“ gelandet. Als wir uns näherten, hörten wir schon Musik erklingen und waren überzeugt-enttäuscht, dass sie vom Band käme. Als wir dann hereinschauten, sahen wir einen Gitarristen, vielleicht Mitte 5o, der so hingebungsvoll gut spielte und sang, dass er auch in jedem Konzertsaal hätte auftreten können. Natürlich blieben wir dort. Hier trank ich meine zunächst beste Caipi. Und hier zeigte sich mal wieder die unglaubliche brasilianische Freundlichkeit. Zum Umrühren steckte im Glas ein ruderförmiges Holzlöffelchen mit einem kleinen handbemalten Tucan auf der Spitze. Kaum hatte ich gefragt, ob man diese Löffel auch kaufen kann, hatte ich nicht nur den Tipp, wo es sie gab, sondern auch das Löffelchen geschenkt bekommen… Später kam noch ein Bassist hinzu und beide spielten wunderbar zusammen. Als die Bodega sich leerte und die Musiker aufhörten, kam noch weiter richtig gute Musik, diesmal tatsächlich vom Band. Und als ich nachfragte, welche CD das sei, die gerade spielt, brannte mir der Bodega-Besitzer kurzerhand eine CD mit 27 Stücken drauf und schenkte sie mir.  Auch jetzt noch, während ich diese Zeilen schreibe, bin ich tief gerührt. Ich saß da, lauschte der Musik, und hatte vor Glück feuchte Augen. Zum Abschied schenkte ich dem Pärchen, dem die Bodega gehört, einen handgeschnitzten Kerzenhalter als Dankeschön, den ich mir erst einige Stunden zuvor auf der Straße gekauft hatte. Para ti – für dich. Ich komme wieder!

Der nächste Morgen zeigte sich bedeckt. Nun, das machte uns den Aufbruch nicht schwerer zu unserer nächsten und letzten Reise-Etappe:

Rio

Cristo Redentor - Christus, der Erlöser (Foto: Thomas)

Die imposante, dreißig Meter hohe Statue war eines unserer ersten Ziele in dieser wunderbaren Stadt. Auf dem gut 700 m hohen Corcovado breitet sie, den Pão de Açúcar anblickend, seit nunmehr 80 Jahren ihre Arme über Rio aus. 2007 wurde sie zu einem der sieben Neuen Weltwunder erklärt.

Nicht nur die Statue, auch wir hatten einen imposanten, wenn auch etwas wolkenverhangenen Blick auf die Metropole, über die Stefan Zweig einst schrieb: „Es gibt – wer sie einmal gesehen, wird mir nicht widersprechen – keine schönere Stadt auf Erden.“

Auch wenn Rio in vielen Bereichen dem Verfall preisgegeben wurde und erst seit einigen Jahren beispielsweise die besonders in Mitleidenschaft gezogene Altstadt nach und nach saniert und restauriert wird, hat die Stadt ihren besonderen Charme nicht verloren. Schon von hier oben aus ist zudem zu erkennen, wie grün sie ist. Rund ein Fünftel der Stadtfläche besteht aus Bäumen (über eine halbe Million!) und Pflanzen. Zu den 1105 Parks gehört auch der mit 3200 ha weltgrößte innerstädtische Regenwald. Eine weitere riesige Grünfläche bietet der Jardim Botânico, den wir im Anschluss an die Christus-Statue besuchten, einer der größten Botanischen Gärten Südamerikas, der über 6000 tropische Pflanzenarten beherbergt.

Mit der Anfertigung von Ingo-Statuen konnte der Hersteller bislang noch keinen großen Verkaufserfolg erzielen... 😉 (Foto und Bearbeitung: Thomas)

Auch der Copacabana statteten wir natürlich einen Besuch ab, allerdings bei so schlechtem Wetter, dass es uns glatt die Sicht verhagelte.

Copacabana bei Regen (Foto: Thomas)

Hier trafen wir auch Manuela, die Thomas und ich vom Vorbereitungslehrgang in Köln her kannten und die an der Deutschen Schule in Rio arbeitet.

Gruppenbild mit Dame 🙂

Mit uns gemeinsam aß sie ihre erste Feijoada und freute sich, wie gut sie schmeckt. 🙂

Feijoada-Essen in Rio (Foto: Thomas)

Doch die wirklich unbeschreiblichen Momente bietet Rio, die Stadt des Karnevals, die Stadt der Lebensfreude, in der Nacht. Am Freitag wurde in Lapa, einem alten Bohéme-Viertel ganz in der Nähe unserer Unterkunft, wie jede Woche ein ganzer Straßenzug gesperrt. Schon nachmittags begann der Aufbau kleiner Buden, aus denen dann ab dem frühen Abend Gegrilltes und Süßes sowie Caipirinha in 0,4 l-Bechern verkauft wurde. Rund um die malerischen Arkaden von Lapa, die zu einem ab 1723 erbauten Aquädukt gehören, sind die Straßen gesäumt von Bars und Restaurants. Aus den meisten ist jetzt Live-Musik zu hören. Immer mehr füllen sich die Straßen mit Menschen. Plötzlich erklingt von irgendwoher ein Trommeln und Samba-Rhythmen erfassen die Menge. Lassen sie nicht mehr los. Bis zum Morgengrauen wird auf der Straße getanzt, getrunken und gefeiert. Etwas abseits, auf einer von einem chilenischen Künstler pittoresk mit diversen bunten Kacheln aus aller Herren Länder verzierten breiten Treppe, sitzen Jugendliche und rauchen Gras. Hunderte. Und wir überall und mittendrin in diesem Konvolut brodelnden Lebens.

Auch der Samstagabend beim Ensaio einer der berühmtesten Samba-Schulen Rios, Salgueiro, beeindruckte überaus. Tänzer, Sänger und Musiker üben hier öffentlich ab September für ihren Auftritt im Sambódromo beim nächsten Karneval. Viele von ihnen kommen aus den Favelas und geben buchstäblich alles für diese Tage voller Glück und die Zeit der Vorbereitung und Vorfreude darauf.

Zunächst bot die große, rot-weiß geschmückte Halle mit ihrer grellen Neonbeleuchtung wenig Reize. Doch dann begann die Musik zu erklingen. Auf der Bühne spielte und sang die Band das neue Karnevalslied, das sich durch immerwährende Wiederholungen steigerte und einprägte. Dann wird das Publikum mit einem Mal zurückgedrängt und kostümierte Tänzerinnen treten vor der Bühne auf. Hautnah. Und endlich setzt auf der anderen Seite, von einer erhöhten Tribüne aus, die gut 50-köpfige Rhythmus-Gruppe dazu ein. Ab diesem Moment beginnt der Saal zu kochen. Vergessen ist das Neonlicht, vergessen ist die viel zu laute, fast schon verzerrte Musik der Karnevals-Band, vergessen ist alle Müdigkeit der Nacht zuvor. Niemand mehr, der nicht tanzt, Kinder wie Alte. Der Rhythmus, die Musik verbindet alle zu einer einzigen Physis. Mit uns, wieder, mittendrin. Bis um drei Uhr, völlig unbrasilianisch, die Musik abbricht und alle sich auf den Heimweg begeben. Macht ja nichts, in Lapa war auch Samstagnacht noch einiges los und wir mussten einfach die Zeit noch auskosten. Nicht an morgen denken, nicht an die mehr als achtstündige Rückfahrt. Nur heute – einfach – sein.

 

 

 

1 Antwort to “Das BRA-Team”


  • Hallo Arne,

    wie immer bin ich begeistert von deinen Reiseberichten und weiß nicht, ob du daraus ein Buch machen solltest oder ob diese Geheimtipps nicht besser geheim bleiben sollten …
    Dir Fotos sind großartig und ich hoffe, dass ich dieses wunderschöne Land auch eines Tages bereisen darf- aber nur mit DIR als Reiseführer 🙂 !!!

    Viele liebe Grüße aus dem herbstlichen Hamburg,
    Corinna & Co.

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